In·klu·si·on /Inklusión/ Substantiv, feminin [die]

Wie geht Inklusion? Wo fängt sie an, wo hört sie auf?
Gibt es ein Anfang und eine Ende?
Wieso ist die Akzeptanz gegenüber dem Anderssein so schwierig?
Wer ist denn anders? Wer definiert das Anderssein?
An jeder Ecke hört man fast schon propagandaartig das jeder so leben soll wie er es für richtig hält. Gilt das nur für „normale“ Menschen?
Sind Menschen mit einer Behinderung davon ausgeschlossen?

Mein Kind wächst, die Defizite werden sichtlich  größer.
Nach wie vor ist Annie ohne Sprache. Sie lautiert. Laut, sehr laut. Vor allem wenn sie sich freut. Es macht keinen Unterschied ob wir uns zu Hause oder draussen befinden, im Supermarkt oder beim Arzt. Annie ist laut. Die Menschen drehen sich nach uns um wenn sie auf dem Boden liegt und vergüngt qiuekt. Annie spürt sich und ihre Umwelt auf diese Art und Weise, sie muss Dinge intensiv erleben und vor allem fühlen das sie sich spürt, dass heisst in ihrem Fall sie klopft mit den Händen überall drauf herum und schmeisst sich gerne auf den Boden, überstreckt sich und quiekt vergnügt dabei. Vollkommen egal wo, draussen auf der nassen Strasse genauso wie im familienfreundlichen Drogeriemarkt.
Dieser Anblick ist anders.

Die meisten Tage kann ich das ohne weiters Leben, vor allem damit unentwegt mitleidig angeschaut zu werden oder das man mir sagt das ich das Kind doch einfach mal erziehen solle.
Es gibt wenige Tage da überlege ich mir ob ich mit ihr einkaufen gehe.
Eine banale Kleinigkeit die zum gesellschaftlichen Problem wird. Einkaufen.
Es gibt auch schlechte Tage an denen bleibe ich zu Hause, weil mir die Umwelt und das alltägliche Leben mit Inklusion zu kompliziert ist und Annies Gemütszustand zu viel Kraft kostet ausserhalb der vier Wände. 
Das darf nicht sein!
Menschen aller Art haben ein recht darauf am alltäglichen gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Ausnahmslos!

Inklusion und Integration muss auf beiden Seiten stattfinden, nicht nur auf der der Betroffenen. Wie sollen Kinder mit Behinderungen durch Türen gehen dürfen die wir ihnen niemals gezeigt haben?
Es ist unsere Aufgabe nicht aufzuhören sie an die Hand zu nehmen und ihnen alle Türen zu öffnen die möglich sind!

Vor kurzem durfte ich im Kita-Magazin von Vanessa
ein paar Fragen beantworten die sie ungefiltert veröffentlich hat!
Gerne möchte auch auch diese
Petition der lagE e.V. ans Herz legen zu unterschreiben und möchte mich in diesem Sinne herzlich bei Euch dafür bedanken.


Patensuche! Ein Zuhause für Kolab.

Vor kurzem erhielt ich von Marianne von CFI Kinderhilfe eine Email die ich emotional erst verarbeiten musste.
Ich las die Zeilen und noch bevor ich das folgende Bild sah weinte ich.

kolab brücke

„Kolab kam erst kürzlich zu uns in das Kinderdorf Light of Hope.
 Sie ist etwa 11 Jahre alt, so genau weiß das allerdings keiner, denn sie lebte vorher allein auf der Straße. Essen hat sie gestohlen oder wie ein Tier danach gebettelt, denn reden kann sie nicht.
Im Dorf wusste man, dass Kolab vor einigen Jahren auf dem Marktplatz von ihrer Familie ausgesetzt wurde, die offensichtlich von ihren besonderen Bedürfnissen völlig überfordert war.

Auf dem Marktplatz waren ihre Überlebenschancen auch vergleichsweise hoch, denn dort tummeln sich viele Leute und es fällt immer wieder mal was zu essen ab.

Die Dorfleute machten sich dann jedoch jetzt mit Einsetzen der Pubertät Sorgen, was mit dem Mädchen wohl weiter passieren würde, ob Missbrauch stattfinden würde oder vielleicht schon stattfand.

Als wir uns auf die Suche nach ihr machten fanden wir sie zusammengekauert auf einer Brücke, überdeckt von allen Arten von Schmutz. Sie krallte sofort nach der angebotenen Wasserflasche und knurrte und fauchte vor Angst, als wir uns nähern wollten.

So boten wir ihr Essen an und redeten freundlich mit ihr und konnten sie so letztlich überzeugen, mit in das Tuktuk zu steigen und sich Light of Hope anzuschauen, ob es ihr dort gefallen könnte.

Wir hatten den Eindruck, dass sie uns nicht hören konnte und fragten uns ob sie wohl taub sei. Sie war in Light of Hope auch sehr aggressiv den anderen Kindern gegenüber.

Sie wusste nicht, wie man normal mit anderen umgeht und hatte regelmäßig unkontrollierbare Wutausbrüche.

Über die nächsten Wochen wurden diese Ausbrüche weniger und so wurde es möglich, Kolab in die Stadt zu bringen für eine komplette medizinische und psychologische Untersuchung. Da fanden wir dann heraus, dass Kolab stark autistisch ist, sie spricht überhaupt nicht und hat ein paar weitere intellektuelle Probleme, die das alles nur schwieriger machen.“

Es sind so viele Dinge, die für uns in Deutschland normal sind und als Selbstverständlichkeit angesehen werden. Aus eigener Erfahrung weiß ich wie gut unser Sozialsystem die Schwachen unterstützt, die, die es nicht aus eigener Kraft schaffen können.

Was passiert aber mit diesen Menschen, vor allen Kindern in Ländern wie Kambodscha?

Sie müssen meist alleine, oftmals auch verwaist oder verstoßen ums Überleben kämpfen, Förderungen jeglicher Art wie sie bei uns stattfinden sind keineswegs selbstverständlich.

Stelle ich mir auch nur für eine Sekunde vor das es auch hätte meine kleine Tochter sein können die dort an der Brücke voller Dreck und alleine gefunden worden wäre zerspringt mein Herz in unendlich viele Teile.
Kein Kind der Welt sollte so etwas durchleben müssen.
Niemals.

Kinder die aus der Reihe tanzen, egal in welche Richtung brauchen Struktur und Urvertrauen. Auch wenn sie vieles vielleicht sogar niemals verstehen können ist es die Liebe die sie bekommen die sie aufblühen und wachsen lässt.

Seitdem Kolab nicht mehr um das nackte Überleben kämpfen muss ist sie förmlich aufgeblüht und man kann merken was für ein sanfter kleiner Mensch sie ist. Trotzdem braucht Kolab nun eine 1zu1 Betreuung in Light of Hope. Sie braucht routinierte Abläufe die sie ihr so bieten können und verschiedene Aktivitäten, bei denen sie viel lernt. Dinge wie den Umgang mit anderen Menschen und wie man sinnvoll kommunizieren kann sind eine große Herausforderung und keine Selbstverständlichkeit.

kolab kinderdorfmutter

Kinder brauchen keine besonderen Tage an denen an sie gedacht wird, Kinder brauchen ein beständiges Zuhause in dem sie geliebt werden, wo Raum ist zum wachsen und Leben!
Egal auf welchem Teil dieser Erde sollte jeder Tag irgendwie besonders sein.

Seit Januar bin ich Patin von Shanra und es macht mich glücklich zu wissen das dieses Mädchen gut versorgt werden kann. Erst vor kurzem bekam ich von ihr Post und sie gehört zu uns dazu.

Alleine kann leider niemand die Welt retten (so sehr ich das auch gerne würde!), vielleicht finden wir so jemanden der die Möglichkeit hat Kolab eine gesicherte Zukunft zu geben.

Wenn Du diese Patenschaft übernehmen möchtest nimm hier mit der CFI Kinderhilfe Kontakt auf!



Wir alle können schon mit jedem Euro etwas Gutes tun und ganz einfach per
Paypal spenden.
Wenn Du Pate werden möchtest schreibe eine Email an CFI Kinderhilfe oder fülle ganz einfach jederzeit das Onlineformularaus.

 Einen Reisebericht der unter die Haut geht über das Kinderdorf Light of Hope findest Du bei Leonie von minimenschlein.

Unser Patenkind Shanra in Kambodscha

Auf reisen bewege ich mich gerne auf Wegen fernab des Tourismus.
Ich liebe es mich einzufügen in die Umgebung, fühle mich hinein in das Land, werde fast ein Teil des Ganzen, lebe unauffällig mittendrin.
Das was man dann oft sieht ist nicht das schöne Glitzernde, es ist das wahre Leben. Es ist Echt.

Die nackte Wahrheit über Kambodscha sah ich zum ersten Mal bewusst vergangenen November. Leonie von minimenschlein.de reiste mit der CFI Kinderhilfe in eine der ärmsten Regionen des Landes und besuchte das Kinderdorf Light of hope. Sie nahm uns auf Instagram in ihren Stories mit und zeigte ihren Followern ungeschminkt die schlimmen Zustände des Landes. Ich war unfassbar schockiert, weinte mit ihr. Geschichten die mich sehr tief berührten.
Oft Kinder werden ohne Perspektiven geboren, verwaisen, werden verkauft.

Schon lange hegte ich den Wunsch einem Kind in einem Kinderdorf durch finanzielle Unterstützung zu helfen.
Es viel mir jedoch schwer die richtige Organisation zu finden.
Wichtig ist mir zu wissen, dass ich dem Kind damit auch wirklich helfe und keine Maschinerie unterstütze wo das Geld vielleicht nur zur Hälfte oder weniger ankommt. Bei CFI weiß ich, dass mit der Patenschaft das Kind zu 100% unterstütz wird.
Unserem Patenkind Shanra, die meine Tochter sein könnte, kann ich mit 37€ im Monat eine Grundversorgung (Bildung, Essen) ermöglichen.

Als ich zum ersten Mal ihr Bild sah und ihre Geschichte las war mein erster Impuls: Ich fliege hin und hol sie her! Am liebsten hätte sie adoptiert. Ihr ein Zuhause gegeben in dem genug Familienliebe für alle vorhanden ist.
Sie hat mit ihren sechs Jahren schon so unendlich viel Leid erleben müssen. Nachdem Ihre Mutter verstarb lebte sie mit ihren Brüdern bei ihrer sehr alten Großmutter. Diese verstarb zwei Jahre nach dem Tod der Mutter und so war dieses kleine Mädchen mit ihren Geschwistern komplett auf sich alleine gestellt.
Es ist schwer auszuhalten sich das vorzustellen, es bricht mir das Herz.
Meine große Tochter ist im gleichen Alter. Die Vorstellung ihr hätte es genauso ergehen können ist mein emotionaler Freifall in das tiefste Dunkle.

All den Schmerz den Shanra durchlitten hat können wir ihr nicht nehmen, aber wir können dafür Sorge tragen das sie versorgt ist, die Schule besuchen und vielleicht so mit Blick nach vorn in die Zukunft schauen kann.
Heute lebt sie mit Geschwistern und ihrer Kinderdorfmutter in Sicherheit, spielt mit Freunden und darf ein Kind sein.

P1040817.JPG
Shanra mit ihrer Kinderdorfmutter in Kambodscha

Wer mehr Informationen über die Arbeit der CFI Kinderhilfe haben möchte kann hier sehr gerne nachlesen:

  • Webseite der CFI Kinderhilfe
  • Über den Alltag der Hilfsorganisation ist bei Tollabeavor kurzem ein Artikel erschienen.
  • Ganz besonders lege ich Euch Leonies Reiseins Kinderdorf im Detail ans Herz!

Jeder Euro ist hilfreich! Vielleicht entscheidest auch Du Dich für eine Patenschaft?


“No one has ever become poor by giving.”
Anne Frank

Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? WMDEDGT 09/2017

Tagebuchbloggen Baby. Hallo Herbst.
Tage wie gestern sind wunderbar, Tage wie heute… lassen wir das.

04:48

Wach. Verdammt. Nicht bewegen, einfach wieder einschlafen. Die Kinder riechen das wenn man aufwacht. Egal zu welcher Uhrzeit. Und sind dann wach. Für no risk no fun ist es zu früh!!!!!!

05:02

Hat funktioniert. 14 Minunten immerhin. Miss Annie hüpft im Bett herrum und Little Miss muss mal. Alleman raus. Mein Liebster hat noch achtundfünfzig Minuten. Glückspilz der!

05:06

Kinder anziehen. Windeln wechseln, Klamotten raussuchen. Normalerweise mache ich das immer Abends, lege alles hin für den nächsten Tag. Organisation und so. Ab morgen wird das auch wieder so gemacht, denn langsam aber sicher kehrt hier  Therapiealltag ein. Die erste Einheit ist heut Nachmittag. Nächste Woche kommt dann noch die Schule hinzu. Darf ich mal kurz laut kreischen?! Vielleicht sollte ich auch besser in eine Papiertüte atmen.
Spülmaschine und Dampfgarer ausräumen. Beides ist gestern Abend noch gelaufen, aber ich war zu müde um das saubere Geschirr und die Flaschen noch aus- und wegzuräumen. Läuft ja bekanntlicher Weise nicht weg! Mache ich aber generell lieber Abends wenn keine fast Zweijährige mir ständig zwischen den Beinen sitzt, oder mit Freude in die Spülmaschine ständig fasst und Pfützenmatschen spielt. So wie eben. Morgens um 5h von null auf 100 ins ein paar Millisekunden.

05:40

Der erste Kaffee für heute. Hallo Lebensgeister. Ich bin vermutlich bei meinem Kaffeekonsum resistent gegen die Wirkung des Koffeins, aber es ist wie ein Ritual in der früh. Mein Liebster bekommt einen ans Bett gebracht, Miss Annie bekommt ihre erste Milchflasche des Tages. Little Miss meckert über dies und das. Ich will ins Bett. Ich lecker nicht.

06:32

Der Liebste fährt in die Arbeit. Ich ziehe unsere Betten ab, die Schniefnasen sind fast weg und irgendwie hat Miss Annie überall eklige bunte Schneckenspuren hinterlassen. Örgs. Die Waschmaschinenladung No1 läuft.

Kurzvorsieben.

Ich mache mich endlich ans Frühstück. Was ist eigentlich schlimmer, müde oder hungrige Kinder? Müsliwünsche werden erfüllt. Mein Herz schlägt für Cheerios mit Obst, ohne Milch! Little Miss bekommt Haferflocken und ein paar FruitLoops, Miss Annie Köllns Haferflecks 20 Minuten eingeweicht.

07:50

Wäsche. WäschewäscheWÄÄÄÄSCHEEEEEEEEEEE. Ich möchte weinen. Bin noch nicht geduscht, immer noch im Nachthemd.

08:19

Super, es regnet. Ich bin so froh, dass wir gestern bei dem schönen Wetter so lang draussen waren. Wir hören laut Musik, die Kinder tanzen und haben Spaß!

08:40

Bügeln, Wäsche auf und abhängen. Miss Annie komplett umziehen, die Windel … ich erspare jedem jetzt eine detaillierte Beschreibung. Ich arbeite meine ToDo Liste ab. Die ist lang. Ich will heut Abend mein Chaos auf dem Schreibtisch besiegt haben. Auch hier komplette Systemumstellung meinerseits. Ich muss so strukturiert arbeiten, sonst geh ich unter.

10:13

Läuft. Miss Annie schläft, Litte Miss darf sich ganz uneigennützig Medienzeit nehmen.
Es gibt noch einies zu organisieren für den Schulanfang nächste Woche, ich bin immer noch nicht geduscht. Ich beschliesse heut Nachmittag laufen zu gehen nach der Therapie und im Anschluss erst ins Nass zu springen.

11:03

Waschmaschine ist zum 3. Mal fertig, No4 ist dran. Same procedure as always. Ich bin die Waschweltmeisterin. Aufhängen, Abhängen, Bettwäsche nass bügeln und aufhängen und so weiter. Gott, so spannend oder?!

11:37

Es klingelt an der Türe, ich hoffe, dass Miss Annie nicht aufwacht. Ich habe vergessen die Klingel auszustellen. Wieder zurück am Rechner. Alles ist ruhig. Es war ein Päckchen mit den heiss ersehnten neuen Lätzchen mit Auffangding dran für Miss Annie.
Weiter gehts mit dem abarbeiten der ToDoListe. Läuft. Organisieren mach ich gerne. Davon gibts hier genug. Und so hübsche Accessoires und Kalender und … ich könnte mich da dusselig kaufen. Kennt jemand Happy Planner? Googelt es nicht, es is der finanzielle Untergang.

13:10

Mittagessen. Es gibt den Rest Spaghetti Carbonara von gestern. Die Kinder sind hungrig, aber ausgeschlafen. YAYY!

14:10

Losfahren zur Therapie nach Fürstenfeldbruck. Vorbei die ruhigen Tage. Ein Leben ohne die ständige Fahrerei ist auch schön. In den letzten drei Wochen habe ich gemerkt wie gut es tat mal aus dem ganzen Arzttherapieterminzeugs rauszusein. Ich strukturiere alles um jetzt. Mehr Zeit zum Leben uns so.
Ich liefere Miss Annie dort ab und Litte Miss darf auch dableiben. So gehe ich in dieser Zeit Besorgungen machen. Schlau auch, wenn man mit voller Einkaufstasche am Auto ankommt und feststellt, dass der Schlüssen gaaaaaaanz unten vergraben ist. Unter anderem die Brezntüte auf dem Autodach ablegt und vergisst reinzulegen und diese dann beim losfahren nach ein paar Metern schön im Rückspiel fliegen. Anhalten, aussteigen, Brezn aufsammeln. Schön vor dem Parkplatz des Supermarktes. Ein sehr netter Mann hilft mir beim aufsammeln und lacht. Ich bin übrigens in Laufklamotten unterwegs, immer noch ungeduscht. Ich kaufte auch neue Cheerios, die lagen auch auf dem Dach, hielten aber dem Fahrtwind stand. Wo hab ich denn bitte meinen Kopf?

16:40

Eigentlich will ich laufen gehen, aber die Hasen der Urlaubsnachbarin müssen gefüttert werden, Miss Annie ist durch und meckert nur noch rum, Little Miss ist spielen draussen, ich bin immer noch nicht geduscht und wenn ich jetzt nicht laufen gehe wird’s zu spät. Vielleicht geh ich wenn die Kinde im Bett sind. Ich Staubsage dann mal gerade durch die Wohnung und hänge die trockene Wäsche ab. Immer und immer wieder überlege ich ob ich nicht doch einen Trockner mir anschaffen soll. Bei dem Pensum an Wäschebergen vielleicht wirklich Sinnvoll.

17:11

So. Hasen füttern und mit Miss Annie im Jogger noch eine Runde laufen gehen. Nur eine kurze Strecke. Besser wie nix. Ich war lange nicht laufen, geradelt bin ich recht viel im Juli, der August hatte den absoluten Schlendrian drin. Auf ein Neues! Ich schwitz schon nur bei dem Gedanken an meine Laufschuhe.

18:40

Ich spüre jeden einzeln Muskel meines Oberschenkels. Jetzt schon. Viel zu lange bin ich nicht gelaufen. Es tat so gut.

18:50

Zur Abwechslung hänge ich noch Wäsche von der Leine und sauge den Rest der Wohnung bevor ich das Abendessen fertig mache und endlich endlich duschen gehen kann. Der Liebste füttert derweil Miss Annie. Little Miss darf noch draussen spielen. Es sind die letzten Ferientage und das Wetter ist zu schön um zeitig ins Bett zu gehen. In acht Wochen ist die Uhr bereits wieder auf Winterzeit und es so früh dunkel, dass es schön ist die Kinder jetzt noch draussen spielen lassen zu können. Ja, irgendwie weine ich dem Hochsommer gerade ein wenig hinterher. Aber ich mag Jahreszeiten und Little Miss und ich freuen uns schön auf die Adventszeit. Der erste Lebkuchen wurde hier schon verspeist. Lebkuchen geht immer.

20:31

Die Kleinen schlafen, es war wie seit Tagen wieder schwierig für Miss Annie in den Schlaf zu finden. Sie muss sanft festgehalten werden, damit sie zur Ruhe kommt.
Ich räume noch die Küche fertig auf. Fertig bin ich auch.
Ein Hurricane der Kategorie 5 ist auf dem Weg nach Florida, eine liebe Bekannte ist gerade dort und ich hoffe, dass er abdreht aufs Meer und somit Land und Leute verschont. Laut National Hurricane Center ist vorher noch nie so ein Sturm auf dem offenen Meer registriert worden in der Geschichte der Aufzeichnung.

21:40

Ich geh jetzt noch für eine Stunde an den Schreibtisch bevor ich mich zu den Kleinen ins Bett lege und ins Land der Träume verschwinde.

Mehr WMDEDGT-Beiträge findet ihr wie immer bei der lieben Frau Brüllen .

Vollzeitjob in oberster Führungsebene.

Vor etwas mehr als sieben Jahren habe ich meinen Arbeitsplatz aus Gründen gekündigt. Dann trat ich ohne Grundkenntnisse den Job meines Lebens an.
18 Stunden sind das normale Tagespensum, Nächte mit weniger als zwei Stunden Schlaf gibt es öfters im Monat und gesetzlich geregelte Pausen wie wir sie aus einem gut bezahlten Arbeitsleben kennen existieren nicht, das abfeiern von Überstunden fällt gänzlich weg, permanente Verantwortung.

Ich bin Vollzeitmutter.

Und da höre ich sie schon, die Stimmen die mir sagen „Waaaaas? Und wiiieso arbeitest Du niicht? … willst Du nicht noch Dein Studium zu Ende machen … Du MUSST …“
Es wird so unendlich viel von Toleranz geredet, dass jeder das für sich machen muss wie er will. Gelebt wird das meines Erachtens anders. Es ist egal ob Du Dein Kind mit drei Monaten in die Krippe gibt, weil Du musst/willst/musst&nicht willst, es ist egal, ob Du Dein Kind bis zur Schule gar nicht in eine Fremdbetreuung gibst, es ist egal ob Dein Kind Ferseh schauen darf oder nicht, diese Liste ist endlos. Es ist egal. Immer werden sich Menschen über Dich unterhalten und es ver- & beurteilen, ob es gut ist oder nicht. Auch wenn sie es gar nicht können. Ihnen vollkommen der Einblick fehlt in das Ganze.
Gerne wird man auch mal als negativ behaftete Supermutti/Rabenmutter, je nach Lage, im schnippischen Ton betitelt.

Muttersein ist meines Erachtens eine der größten Aufgaben & das grösste Abenteuer meines Lebens. Ich liebe es.

Das heisst nicht das ich 28 Stunden am Tag freudestrahlend und total relaxed mit einem Dauergrinsen durchs Leben laufe. Nein. Ich kann auch sehr gut total übermüdet schlecht gelaunt sein und motzig, unfair und es gibt Tage an denen kenn ich mich selber nicht ausstehen. Ja. Nur weil ich es liebe, heisst es nicht, das es nur rosarote Sonnenstunden gibt. Es gibt auch mal dunkle schwarze Wolken am Mutterseinhimmel.

Aber eben nicht immer. Denn es gibt auch so Tage wie heute.
Das Wetter war perfekt. Zu kalt um ins Freibad zu fahren, aber Sonne und blauer mit hübschem wolkendurchzogenen Himmel. Nachdem ich ich am Vormittag zu Hause den Haushalt erledigt hatte und Papierkram abgearbeitet habe, während Miss Annie schlief und Little Miss ihre Medienzeit konsumierte, bin ich am Mittag mit beiden Kinder in den Wildpark östlich von München gefahren. Nur wir drei. Es war so entspannend. Ja, mit zwei Kindern kann es entspannend sein. Nicht wie früher das ohne Kinder entspannend. Aber das, wo einfach keiner weint oder unzufrieden ist. Also fast. Miss Annie litt an chronischer Übermüdung und normalem nicht schlafen könnenwollen. Aber eben ausser einer fiesen Erkältung die sie plagt war alles so normal wie es eben sein konnte.
Litte Miss war glücklich über die tollen Spielplätze, einen Greifvogelshow, Eis, Rehe die sie füttern durfte, darüber, dass wir drei einfach heute so einen schönen Tag zusammen hatten. Unwiederbringliche Zeit miteinander verbringen.

Was genau wird denn bitte mit einer Vollzeitmutter verbunden, dass es allem Anschein nach so einen negativen Stellenwert erreicht hat nur Kinder groß zu ziehen?  Und wann eigentlich wurde das „nur Muttersein“ zu so einem Negativum gemacht?
Du bist nur zu Hause und kümmerst Dich nur um die Kinder? N.U.R. Jedes Mal am 5. des Monats wenn ich bei der Blogaktion „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag“-Tagebuchbloggen mitmache weiss ich wieder, was ich eigentlich den ganzen Tag mache. Eins auf jeden Fall nicht: genug schlafen und Pausen. So Tage wie heute sind für mich leider rar. Der Sommer war zu kurz, zu viele Termine standen an, ich war vier Mal im Freibad dieses Jahr. Es war der letzte Sommer für uns ohne Schule.
Aber wenn es so Tage wie heute gibt, dann bin ich einfach nur Dankbar, dass ich sie mit den Kindern zusammen leben darf.

Ich bekomme keine Bezahlung in Form einer Gehaltsabrechnung am Ende es Monats. Auch steht hier kein Geldkoffer einfach so vor der Türe. Mein Liebster geht seinem Job nach um die Familie finanziell zu versorgen, um den Rest kümmere ich mich. Den Rest aufzuzählen wäre utopisch!
Das was ich mache wird wertgeschätzt von meinen Liebsten. Und nicht damit abgetan, dass ich ja nur zu Hause bin.
Ich habe glückliche Kinder. Meistens. Mit dem üblichen Wahnsinn der uns begleitet eben. Aber das ist es, was ich will. Klare Rollenverteilung. Wir, mein Mann und ich für unsere kleine Familie.
Und alle anderen Menschen, die das anders machen, die machen das nicht besser oder schlechter. Die machen es eben anders.

Die besonderen Momente von heute
sind die Erinnerungen von morgen.

Für Papa.

Dienstag, 21. August 2007
Es ist ein komischer Tag. Mir gehts nicht gut, ich kann es nicht beschreiben wieso, aber mich umgibt ein merkwürdiges Gefühl. Am Abend, als mein Liebster und ich nach Hause fahren ist am Himmel eine ganz komische Stimmung. Es regnet, aber die Wolkendecke bedeckt nicht den ganzen Himmel, wie wenn jemand einmal quer die Wolken abgeschnitten hätte sieht man oberhalb den Mond und die Sterne leuchten. Die kommende Nacht liege ich fast durchgängig wach.

Mittwoch, 22. August 2007
Wie jeden morgen rief ich meine Mama kurz an. Das Telefondisplay im Büro zeige 06:32Uhr an.
„Hallo“ sagte sie als sie abnahm und ich hörte, dass irgendwas nicht in Ordnung ist.
„Alles gut? Hast Du gut geschlafen?“,
„Nein, ich habe gar nicht geschlafen.“,
„Wieso? Was ist passiert?“,
„Dein Vater hatte gestern Abend einen Herzinfarkt … Krankenhaus … Lebensgefahr…“
Ich bekomme nur noch Bruchteile mit, am liebsten würde ich sofort losrennen. Nach Hause. Mich ließ an diesem Tag niemand 600km Auto fahren, ich war nicht mehr ganz bei mir und krank vor Sorge. Erst morgen konnte ich bei ihnen sein.

Donnerstag, 23. August 2007
Ich saß im ersten Flieger nach Köln. An Schlaf war sowieso nicht zu denken, ich wollte nur heim. Meine Mama in den Arm nehmen und nach Papa sehen.
Endlich im Krankenhaus angekommen sehe ich durch die Scheibe in das kleine Zimmer wo er liegt, angeschlossen an zig Schläuche und Gerätschaften. Mir wird schlagartig bewusst, was das hier bedeuten könnte. Er muss operiert werden. Sobald er stabil genug ist werden sie ihm den Brustkorb aufschneiden und versuchen sein kaputtes Herz zu reparieren. Niemand weiss, wie er das überstehen wird und was danach kommt.
Es fällt mir schwer nicht wie in einem schlechten Film laut vor dem Fenster zusammenzubrechen, auf den Boden sinken und NAAAAAAIN zu rufen, wie in einem wirklich schlechten Film! (Ich bin mal mit meinem Blutüberströmten Kind nach einem Treppensturz beim Arzt mit ihr auf dem Arm rein und rief „Ich braucheeeee einen Aaaaarzt, schneeeeell“ Himmeeeee, wieso macht man sowas?!!?!!!!!!)
Ich reisse mich zusammen und betrete den Raum. Draussen scheint die Sonne, es herbstet und ich bin froh, dass die Sonne noch ein wenig wärme durch das Fenster abgibt.

Nur seine Hand kann ich nehmen, mehr geht nicht, er ist komplett verkabelt. Alles piepst. Er öffnet die Augen leicht und fragt mich, wieso ICH denn hiersei bitte. Schließlich müsste ich mir doch nicht freinehmen für ihn und den ganzen Weg von München nach Köln kommen. Waaaahnsinn, das ist so typisch. Mein Papa! Er liegt hier völlig zugedröhnt und wird irgendwie am Leben gehalten, was macht er? Sich Sorgen, weil ich für ihn Urlaub nehme. 
Niemand von uns hat damals in dieser Situation zum Glück wirklich realisiert, dass es mehr wie ernst war. Der Infarkt war am frühen Abend, erst gegen Mitternacht merkte er, dass was nicht stimmte und von da an kämpfte er ums nackte Überleben. Ein paar Jahre später traf ich den Notarzt der ihm in dieser Nacht das Leben gerettet hat und dankte ihm für seine Heldentat.

Samstags drauf wurde er operiert. Lange mussten wir warten bis wir die Nachricht bekamen, dass er es überlebt hat. Fünf Bypässe wurden ihm gelegt. Alles was jetzt kommt würde Zeit brauchen. Und vieleviele Medikamente.
Er war zu dem Zeitpunkt 47 Jahre jung.

Oft stelle ich mir die Frage, ob es nicht besser wäre wieder nach Hause zu ziehen. Einerseits könnten wir uns so nach belieben sehen, andererseits sind die Tage wo wir heim reisen in die Eifel sind intensiver. Wir verbringen die Zeit bewusster miteinander. Meist eine ganze Woche oder mehr am Stück.  Es hat wie alles sein für uns wider. Ganz gesund wird er nie wieder werden, aber solang er noch so viel Unfug im Kopf hat, hält sich das Sorgen ein wenig im Zaun! Ich habe ein paar Bilder rausgesucht und festgestellt, es gibt sie mit allen Formen der Grimassen und Unsinn.
Heute auf den Tag ist es zehn Jahre her. Es ist nicht leicht, aber wäre es Leben wenn es das wäre?!

Danke Papa, dass Du da bist. Für Mama, Deine Kinder & Enkelkinder.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Ich komm zu nix.“

Vieruhrfünfunddreissig.
Miss Annie hat Hunger, ich mache eine Milchflasche warm.
Vieruhrfünfzig.
Die Kinder sind wach, ich stehe mit ihnen auf.
Windeln,
anziehen,
Frühstück machen für die Kleinen,
Little Miss will später mit Papa essen und mag nur eine Banane mit Joghurt,
Kaffee für mich.
Miss Annie isst kaum was, die Zunge ist im Weg, egal welche Tricks ich anwende, es geht kaum was in den Magen, sie ist nicht so gut drauf.
Boden vom essen befreien,
Spülmaschine ausräumen,
Wäsche die ich gestern Abend gewaschen aber nicht mehr aufgehangen habe, auf Grund eines gewittrigen Untwetters, aus der Maschine geholt und rausgebracht zum trocknen,
zwischendrin immer wieder zu den Kindern geschaut,
Wünsche erfüllt,
Cookies gebacken.
Der Liebste steht gegen acht auf und hat Schmerzen. Er hat sich allem Anschein nach den Oberschenkelmuskel gezerrt und fällt für heute aus. Ich verordne ihm Ruhe, so dass er so schnell wie möglich wieder „Einsatzbereit“ ist.
Ich mache erneut Frühstück für Ihn und Little Miss.
Hab keinen Hunger und backe nebenher die Cookies fertig und räume die Küche auf.
Säubere Miss Annies Flaschen inkl. vaporisieren im Dampfgarer.
Miss Annie schläft die zweite Runde.
Das Wetter weiss immer noch nicht was es will, Regen und Sonne im wechsel.
Ich beschliesse die drei Maschinen Bügelwäsche liegen zu lassen, mache noch schnell die Betten, Staubsauge die Küche und fahre mit den Kindern gehen 11 Uhr Besorgungen machen.
Irgendwann zwischendrin hab ich es geschafft zu duschen, schminken und Haare zu föhnen. Die Kleidung ist Fleckenfrei. Horraaaay!
Metzger, Geld holen, Apotheke, weiter zu Reitstall was vorbeibringen, Babyfachgeschäft nach einem geeigneten Buggy für Miss Annie schauen, Schuhe kaufen für Little Miss und auf dem Rückweg noch beim Bäcker vorbei.
Gegen 15Uhr und 35,5 gefahrene Kilometer später bin ich wieder zu Hause.
Packe die Einkäufe aus, brate Gulasch für morgen an, hänge Wasche ab und auf, beschrifte Little Miss Schulsachen fertig.
Drei Wochen vor Schulstart ist alles erledigt hierfür, ich warte nur noch auf die Schultüte die ich nicht selber bastle sondern käuflich erworben habe.
Das Bein des Mannes ist trotz liegen nicht wirklich besser. Mal sehen ob eine Salbe hilft. Wenn nicht, muss er zum Arzt.
Little Miss spielt draussen mit ihren Freundinnen.
Ich mache uns einen Kaffee, das Bein des Mannes ist nicht deutlich besser.
Setz ich mich hin würde ich vermutlich sofort in die REM und Tiefschlafphase fallen, gleichzeitig! Mir ist so nach einem Nickerchen, aber danach bin ich so fertig, dass ich nicht mehr hochkomme. Zudem war meine Ernährung heute eher der Kategorie Katastrophe einzuordnen. Nicht wirklich habe ich viel auf mich geachtet. Kaffee und. Und was eigentlich? Ein warmer Cookie am Morgen und genau, Kaffee. Ich achte zu wenig auf mich, i know.
Abendessen in the making, es gibt selbstgemachte Spaghetti Carbonara. Absolutes Lieblingsessen bei meinen Lieben.
Das sind die groben Eckpunkte, ein Haufen unzähliger Dinge kommen noch hinzu worum ich mich zwischendrin kümmere. Mamasein halt. Ganz normaler Wahnsinn. Nichts außergewöhnliches für die Welt.
Essentiell für meine Lieben.

Wie oft fragte ich mich am Abend, was hab ich eigentlich den ganzen Tag gemacht und sagte „Ich bin zu nix gekommen“? Ich hörte vor geraumer Zeit auf einmal auf mit dem „Ich komm zu nix“.  Stimmt nämlich nicht!!! Sind wir doch einfach mal stolz auf das was wir am Tag alles geleistet haben, vor allem, wenn Abends die Kinder glücklich und zufrieden einschlafen und sich geborgen fühlen.
Mein „Job“ verlangt ständige Bereitschaft und fragt nach keinem Arbeitsgesetzt von Pausen und Zehnstundenregelung.
Feierabend gibt es nicht, die Verantwortung trägt man 24 Stunden, 7 Tage die Woche, 356 Tage im Jahr.
Für den Rest des Lebens bin ich Mama. Das ist schön, das so sagen zu dürfen.

Tage wir heute sind recht harmlos. Miss Annie hat nicht einmal den Mageninhalt retour gehen lassen, gut, dafür lag mehr auf dem Boden!!!
Ich habe keine Wäsche mehr die gewaschen werden muss, eigentlich ein harmloser Tag. Ein hauch von Normal.
Auch das mit dem „fertigwerden“, alles an einem Tag zu schaffen, ist hier nicht mehr. Dann bleiben die drei Maschinen Bügelwäsche eben bis morgen liegen. Und? Was ändert es? Nichts.

Als Eltern hat man kein Wochenende mehr wie es mal früher war. Ich zumindest nicht. Was ich ohne Wertung sage. Ich liebe die Tage mit den Kindern.
Auch Tage mit 18 Stunden auf den Beinen und der Müdigkeit des Todes!

 

 

Heute.

Es ist schon dunkel um kurz nach neun am Abend. Der Herbst ist da, noch ganz leise, aber bereits präsent. Ich liebe das Licht in der Wohnung am Morgen, wenn die Sonne in der Früh die nebelbedeckten Felder orange anstrahlt bevor sie hoch am Himmel steht und uns noch abzählbare Sommertage gönnt. So lange es noch geht werde ich die lauen Abende mit dem Liebsten draussen auf der Dachterasse zwischen Lampions und Kerzen verbringen. Mein kleiner Urlaubort daheim. Viel zu selten haben wir zusammen da gesessen diesen Sommer.
Mein Kopf war permanent voller Gedanken. Die innerliche Ermüdung schwer.

Wir haben Therapiepause. Ich schalte ab. Fahre komplett runter so wie schon lange nicht mehr. Sehr sehr schweren Herzens habe ich meinen geplanten Heimatbesuch letzte Woche abgesagt – vorher alles packen, das Reisen, sechs Stunden Zugfahren, eine oder zwei schlaflosen Nächte auf Grund dem Umgebungswechsel von Miss Annie plus das was meine Eltern gerade alles umgibt. Es erschien mir besser, einfach hier zu bleiben. Um zur Ruhe zu kommen. Das Herz weint, aber es war die vernünftigere Entscheidung. Ein grosser Nachteil dieser Heimatschmerz nach Familie, uns trennen gute 600km.

Gerade habe ich die Möglichkeit so Tage wie heute mit meinen beiden Mädchen zu ver(er)leben. Wir haben Zeit. Heute Mittag waren wir mit einer lieben Freundin und ihren Kindern im Freibad verabredet. Ich bin gerne mit ihr zusammen, auch wenn wir uns viel zu wenig sehen, aber es ist immer schön mit uns.
Sommer, Sonne, Wasser & glückliche Kinder. Zudem lernte ich eine andere Mutter die später dazukam aus der Nachbarschaft kennen.
Ungezwungen. Seit sehrsehr langer Zeit empfand ich es als entspannend in Gesellschaft zu sein und merke, ich kann es noch, mich mit Menschen treffen und einfach sein. Ich sein. Ein wir mit Kindern. Ohne ständig darüber zu philosophieren wer oder was diese GRIN1 eigentlich mit Miss Annie veranstaltet und oder wieso einfach keine Logik hinter alledem steckt. Zum Beispiel, dass sie sich den Schnuller in den Mund strecken kann, aber kein essen. Die Liste de Dinge die keinen Sinn ergeben kann Seitenweise fortgeführt werden. Es fehlt jegliche Logik hierzu! Wir hatten Spass.

Nach Nachmittagen wie diesen stelle ich fest, dass es Menschen gibt die ich loslassen muss in Zukunft. Oft kann ich nicht ich sein, sonder bin DIE Mutter mit DEM behinderten Kind. Ja, das bin ich. Das Ganze gehört zu mir. Aber ich bin eben auch noch ich. Und heute zum ersten Mal seit langem wieder hab ich es geschafft, die zu sein.

Oft stehe unter Druck und erkläre mich, wieso ich keine Haushaltshilfe habe und das ich mir die Zeit für mich nehme die ich brauche und wieso ich Miss Annie nicht abgebe mal und ja, ich muss mehr schlafen, ja ich lebe am Energielimit, ABER: Es geht mir gut. Wirklich. Ich muss und will mich nicht mehr erklären. An all diesen Situationen kann nur ich was ändern. Hier ist weder Miss Annie noch irgendeine Therapieeinheit dran schuld. Ich muss das steuern. Und ganz bald habe ich unser Optimum gefunden und bin balancierter. Das braucht Zeit. Dann wird es wieder mehr so Tage wie heute geben mit mehr Leichtigkeit.

 

Jeder Tag ist ein anderer,
aber trotzdem ist immer heute.
Gerald Dunkl

12 von 12 – August 2017

Das ist für mich heute ein ganz spezieller 12von12.
Vor einem Jahr sehe ich mich im strömenden Regen nach Hause fahren. Hinten im Auto saß Miss Annie im Maxi Cosi und schlief. Kurz zuvor sagte mir Miss Annies Neurologe Sätze wie „Das ist alles sehr besorgniserregend …. Wir müssen weitere Untersuchungen einleiten…. Stellen Sie sich darauf ein, dass ihr Kind schwerbehindert ist … Vermutlich wird sich alles ändern“
Er sollte recht behalten. Das war der Anfang aller Ungewissheit, der kompletten Lebensveränderung. Es hat mich persönlich sehr verändert. Ich bin mehr die vor einem Jahr.
An diesem Tag feierte meine Schwiegermutter ihren 70.zigsten Geburtstag, eine große Feier, da bleibt man nicht einfach weg. Wir rissen uns zusammen, zudem hatten wir 100 Herzluftballons bestellt die den Raum erst aufhübschten und dann steigen gelassen werden sollten. Als die Ballons gen Himmel flogen wurde mir warm ums Herz. Mein Mann nahm mich in den Arm und ich wusste, egal was kommt, wir werden das schaffen.

Ich bin sehr froh, dass heute heute ist. Und nicht mehr letztes Jahr. Das wir uns alle zusammen entwickeln und die Ungewissheit ein treuer freundlicher Begleiter geworden ist. Kein Feind. Sie tut keinem was, sie ist einfach da. Wie eigentlich in jedem Leben, nur nicht so bewusst wie bei uns. Wer weiss schon was später ist, oder morgen, oder überhaupt was die Zukunft bringt???

„Shakespeare sagte, ich fühle mich glücklich. Weisst du warum? Weil er nichts erwartete, denn warten und hoffen ist immer schmerzhaft. Alle Probleme haben einen Sinn und eine Bedeutung. Wir werden immer Menschen treffen, denen wir egal sind, auch wenn sie sagen wir wären wichtig. Es ist wichtig stark zu sein, denn nach jedem Dunkel und Fallen im Leben kommen auch wirklich gute Dinge. Es existieren keine schlechten Dinge. Sei immer glücklich und lache. Erinnere dich, lebe für dich. Denke daran, atme. Bevor du redest, höre zu. Bevor du schreibst, überlege. Bevor du antwortest, höre zu. Bevor du stirbst, lebe. Bevor du etwas tust, beobachte. Eine schöne Beziehung ist nicht die mit der perfekten Person, sondern mit der Person, mit der du lernst zu leben. Mit seinen Fehlern, achte sie. Sonst wirst du irgendwann bereuen sie verloren zu haben. Und es wird weh tun. Wenn du glücklich sein willst, lebe glücklich. Achte auf die guten Menschen um dich, denn du bist einer von ihnen. Erinnere dich. Wenn du es am wenigsten erwartest, wird es jemanden geben, der dein Leben schöner macht. Zerstöre niemals deine Persönlichkeit für Menschen, die nur vorübergehend da sind. Eine starke Person versucht ihr Leben in Ordnung zu lassen. Auch mit Tränen in den Augen stellt sie sich auf und sagt mit einem Lächeln: “Es geht mir gut.“ “Nie glücklich ist, wer ewig dem nachjagt, was er nicht hat, und was er hat, vergisst.“

Guten Morgen Welt! Es ist 05:52, dunkel und kalt. Uahhh.img_5121

Fail. Ich muss wieder früher ins Bett. Viereinhalb Stunden schlafen sind zu wenig.
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Erste Amtshandlung noch vor dem Kaffee, Waschmaschine anschalten. Es ist erst 06:06, die Baduhr geht sechs Minuten vor. Hallo Nachbarn!
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Frühstück. Mit Kerze. „Mama, es riecht so schön nach Weihnachten“. Prima, wo ist der Lebkuchen???
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Reitstunde von Little Miss. Eigentlich wollte ich derweil laufen gehen. Aber es macht so viel Spaß ihr zuzusehen! Nächste Woche geht sie das erste Mal in der Stunde ohne Longe mit. Achja, der mann erwähnte er will auch mal reiten, den hab ich gleich mit angemeldet. Zackbums. Das Bild ist von letzter Woche. Schlauer Weise habe ich diese Woche nur gefilmt!
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Blumen für Schwiegermama gekauft, sie hat heute ihren 71.zigsten Geburtstag.
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Eigentlich wie jeden Tag, Miss Annie spuckt. Bett abziehen, wieder waschen. um 14h hab ich bereits vier Maschinen gewaschen und draussen hängen. Draussen türmt sich die Wäsche. Ein Trockner wäre vermutlich doch eine sinnvolle Anschaffung für die Zukunft. Dachterasse mit leichtem Floddertouch.

Bevor wir ins Auto steigen konnten, nahm der Mann es kurz auseinander. Unser Kofferraum spinnt schon mal. Es passiert des öfteren, dass ich diesen nicht mehr aufbekomme. Da gibt es mittlerweile viele Tricks. Autotüren öffnen, Kinder reinsetzten, ich war sogar schon mal kurz davor jemanden auf dem Parkplatz eines grossen Supermarktes zu fragen, ob er bitte kurz Platz nehmen könnte, damit die Kofferraumklappe aufgeht. Oft hilft es den Wagen von innen zu beschweren. Je nach Aussentemperatur, Gewicht und oder Winkel wie das Fahrzeug von mir positioniert wurde geht die Klappe einfach nicht auf. Ja, man könnte es reparieren lassen. Jedenfalls klemmte jetzt was dazwischen und Little Miss fand es ultrawitzig das ihr Vater, der gute 1,90cm lang ist, sich wie in Gummimensch sich verbog, damit wir retten konnten was zu retten war. Herrlich wie leicht Kinder zu begeistern sind, sei es auch nur ein Autositz in der Wiese!!!
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Wir waren heut Abend auswärts essen, Schwiegermama hat uns eingeladen. Selbe Location wie letztes Jahr. Komisches Gefühl. Komischer Tag. Selbes Wetter. Nur ein wenig kälter. Für mich gab es Salat und Süßkartoffelpommes. Schön & lecker wars.
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Wollt ihr mehr 12von12? Dann lurt doch mal bei Caro vorbei!

 

 

Richtungen.

Die Käseglocke unter der man sich befindet
lässt nicht viel Raum für Gedanken und Luft zum atmen.
Du funktionierst.
Arbeitest alles systematisch ab.

Irgendwann kommt der Tag wo diese Glocke langsam verschwindet,
wie wenn sie jemand langsam anhebt bevor sie abgenommen wird.
Dann stehst Du dort,
mitten im Kreis,
verloren.
Drumherum so viel Platz und Luft,
dass Du nicht mehr so genau weisst,
in welche Richtung Du eigentlich gehen wolltest.
Alles ist anders. Auch Du.
Freier Fall auf allen Seiten.

Du drehst Dich auf dem Kreis
mit ausgebreiteten Armen und spürst den Schwindel.

Du findest sie wieder,
die Richtung,
irgendwann.

Allerdings wird sie eine andere sein wie Du annahmst.
Es ist eben nur erstmal eine Richtung.

Der Weg lässt sich nur erahnen.
Irgendwo am Horizont.
Zeit weist Dir die Richtung.