Just be there.

Ich liebe Stille. So wie gerade. Ich sitze auf dem Sofa und es ist einfach nur ruhig. Die Kinder schlafen selig und der Mann ist nicht zu Hause. Es ist schön, das einfach niemand gerade etwas von mir will, ich darf nur für mich sein. Alleine bin ich selten. Genieße es dann aber umsomehr.

Ich liebe das Familiengewusel. Mich um meine Kinder zu kümmern, für sie da zu sein. Egal ob es die fast täglichen Therapien mit Miss Annie sind , Hausaufgaben von Little Miss, die gemeinsamen Mahlzeiten, unsere Rituale im Leben, Ausflüge, daheimsein.

Im Gleichgewicht zu bleiben ist nicht einfach. Vielleicht ist es permanent meine größte Herausforderung. Dazu gehört es auch, dass ich mich um mich kümmere, denn das habe ich in den vergangenen Monaten nicht getan. Es gibt auch kein Rezept um zu sagen man muss es so oder so machen damit es optimal funktioniert. Ich passe meinen Alltag immer und immer wieder neu an, so bleibe ich gut im Takt. Manchmal.

Die vergangenen zwei Wochen waren enorm Nervenzehrend. Es fühlte sich an  wie wenn jemand nach Miss Annies erneutem Fieberkrampf auf die eine Seite der Waage der Balance mit Anlauf gesprungen ist und diese Seite komplett auf den Boden aufschlug, während die Seite mit den Gegengewichten dem nicht standhalten konnte und vollkommen haltlos in der Luft baumelte.

Die Kleine war mit sich und der Welt total überfordert, schlief sehr schlecht, aß noch schlechter. Zwei Wochen in denen ich viele Milchflaschen zubereitete, sehr, wirklich sehr viele Nerven gelassen habe und abends verzweifelt an mir zweifelte, wieso wir entwicklungstechnisch Rückwärts gehen.
Es ist kein Tag wie der Andere. Keine Ahnung ob es irgendwann eine Konstante geben wird.

Trotz allem sitz ich jetzt hier und bin zufrieden. Erschöpft, aber ich freu mich morgen,  auf einen neuen Tag mit meiner kleinen Familie.

Just be there
, alles andere wird dann schon!

12 von 12 – November 2017

Hell yes, Christmas is around the corner.
Nagut, also fast. Ich bin ein Ultrafan der Weihnachtsdeko, allerdings was sich da am Dekohimmel da dieses Jahr so auftut ist schon etwas gruselig.


Little Miss besuchte heute die Vormittagsvorstellung im Circus Roncalli. Ich liebe es mich an ihren Haaren zu vergehen. Mittlerweile klappt flechten immer besser. Letztes Jahr war das Geheule groß, dass der Elsafrozen Zopf zu kurz war, jetzt sind die Haare endlich lang gewachsen und Elsa out. Na danke.


Snapchat mit meiner Lieblingssnapperin. Screenshotte niemals sowas, dann kommt das dabei herraus.


Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Sorry, notsorry, WTF ist das???? Blüht der Baum? Ist er krank? Der Gute weinte leise und rief nach Mama. Ich lüge nicht.


Sind die nicht schön! Ich vermute aber diese schönen Baumkugeln würden hier nicht überleben. Wenn der Baum drinnen stehen wird würden sie Miss Annie zum Opfer fallen, steht der Baum draussen, zerstört das Wetter die Hübschen vermutlich.
Zu meinem Leidwesen hat der Lieblingsgartencenter ums Eck Sonntags von 10-12Uhr geöffnet. Konnte also heute nicht anders wie dort hinzufahren.


Ooooooder, ich schmücke meine neue Dekotanne damit. Die ist allerdings vermutlich zu schwach auf der Brust. Ich finde schon noch ein Platz für hübsche Kugeln! Die Tanne ist hier ausser von mit nicht so gern gesehen. Der Mann findet sie nicht ganz so schön, das Kind fragt ob noch mehr Äste wachsen. Baumbanausen.


In letzter Zeit beschäftigt mich das Thema Mobbing aus verschiedenen Gründen sehr. Auf Netflix gibt es einige sehr interessante Reportagen. Konnte es mir heute endlich fertig ansehn. Irre. Mit sagte demletzt eine Pädagogin das der letzte Ausweg für die Opfer bei Mobbing der Selbstmord ist. Es ist mir so unerklärlich alles. Schlimm vor allem, dass sowas schon in der ersten Klasse keine Seltenheit zu sein scheint. Wird das heute nur anders betitelt wie früher? Oder ist das wirklich alles massiver, brutaler geworden?


Miss Annie zu füttern ist eine enorme Herausforderung, fast wie Tetris oder Super Mario spielen, hohes Level und Endgegner und so. Sie macht den Mund auf und deht den Kopf weg. Und wie oft hat sie das Essen fast im Ohr. Spinat, was für eine grandiose Idee wenn das Kind gestern baden war und ich den Boden gewischt hab.


Dann schaut sie mich so an. Ich schmelze. Zuckernschnute.


Scheissescheissescheisse. Beim hochgehen auf die Galerie, um schnell noch was zu machen, den Milchcafe auf halber Höhe verschütten. Drunter liegt keine Bodenmatratze die man nicht waschen kann. Und das zog auch keine Nasen die ganze Länge runter. Wer keine Arbeit hat macht sich welche oder so. Lässt sich selbstverständlich nicht wegwischen. Ich bin dann morgen mal Schmutzradierer kaufen.


Befüllt ist alles schon, jetzt muss es noch aufgehangen werden!


Tee statt Kaffee.

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Anziehsachen für morgen früh liegen bereit. Montag, wir sind vorbereitet!

Mehr 12von12? Dann bitte hier entlang!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Untersuchen sagten, das Kind wird nicht gehen…

… dann kam Miss Annie, die das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!
Sie stand auf und ging fünf Schritte. Völlig unbeeindruckt.


Ich habe mich gewehrt gegen Orthesen, mit Ärzten gestritten, gegen „Das macht man aber so“ gekämpft. Immer und immer wieder, etwas, dass  sich vermutlich auch in Zukunft nicht ändern wird. Tränen vergossen, gezweifelt, ob das alles richtig ist. Vielleicht haben das Papier und die Fachärzte doch mehr Ahnung wie mein Bauchgefühl. Nein. Neinneinnein.
Hoffnung hatte ich immer, Glaube eher weniger. Daran gearbeitet, dass es werden kann habe ich immer. Wir sind immer noch weit entfernt vom richtigen laufen, die Muskulatur ist immer noch viel zu weich und wir brauchen weiterhin einen langen Atem und vieeeel Ausdauer. Monate oder länger.
Immer wieder höre ich, warte ab, das wird schon. Es wird nie wie bei einem gesunden Menschen werden. Wir gehen Miss Annies Tempo. Sie lässt es auch anders nicht zu. Dieser kleine Mensch hat eine enorme Willenskraft.
Niemand kann sehen wie hart das ist, die ganze Mobilisierung, der kleine Körper der will aber zu schwach ist, der ständige Kampf. Immer wieder lege ich bewusst Pausen ein, für sie und für mich. Ich vertraue mir.
Der Beweis das es für uns gut so ist sind fünf freie Schritte.
Dieser Meilenstein ist Miss Annies verdienst für all ihr kämpfen und wollen.
Mit großem Erfolg.

12 von 12 – Oktober 2017

Ich hab schon so ganz leichte Weihnachtsgefühle. Mitte Oktober kann man schon mal planen, wann man genau so circa in vier Wochen spätestens anfängt die Weihnachtsbeleuchtung aufzuhängen! Und sich dann Abends via Whatsapp mit der liebsten Freundin die 600km entfernt lebt über das Design derAdventskranzkerzen schreibt, unbezahlbar!!! Dieses Jahr werde ich vermutlich offiziell die erste WisteriaxmasDekoqueen. Meine Nachbarin und ich werden dieses Jahr dekorieren bis wie sie sagte „Meinem Mann schwindelig beim betreten der Wohnung wird“!!!!!! In vier Wochen, beim nächsten 12von12 werde ich Euch die ersten Kreationen Präsentieren, versprochen. Bei Caro gibt es wie immer mehr 12 von 12. In acht Wochen dann ganz sicher mit Weihnachtskontent.

Back to reality!
Um 06Uhr bin ich bereits geduscht, halbwegs geschminkt und bereite in der Küche während der erste Kaffee von vielen des Tages durch läuft die Yumbox von Little Miss vor. Die nicht ganz so ansehnlichen Reste werden dann hier vertilgt. Irgendwie jeden morgen eine neue kreative Herausforderung, ich mag das!

Mein grosses Schulmädchen. Vor genau einem Monat wurde sie eingeschult, heute geht sie morgens aus dem Haus, wie wenn sie nie etwas anderes gemacht hätte. Miss Annie ist jeden morgen sauer das ihre Schwester geht und ist kaum vom Eingang wegzubewegen. Geschwisterliebe!

Heute morgen stand die U7 auf dem Plan. Miss Annie hat den Baby-Tüv nicht bestanden, ist aber auch keine grosse Neuigkeit. Mich hat eine Freundin gefragt, ob es denn überhaupt Sinn macht sie mit „der Norm“ zu vergleichen. Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Vor einem Jahr war diese U Untersuchung für mich furchtbar, heute sehe ich es anders. Es ist halt ein Standartprozedere, macht man so! Es ist Papier auf dem halt angekreuzt wird, dass Miss Annie nicht altersentsprechend entwickelt ist. Thats it. Das Leben findet nicht im gelben Untersuchungsheft, sondern in farbe und in echt statt. Das was da steht und das was hier passiert sind nicht miteinander zu vergleichen!img_8523
Im Anschluss nutze ich die Gelegenheit um noch ein bisschen hübsche Sachen zu besorgen und ich muss mich wirklich zurückhalten nicht gleich mit neuen Sofakissen heimzugehen! Das Hand Lettering Alphabet von Frau Hölle hab ich mir bereits gekauft, ich kaufe mir das Arbeitsheft und freue mich schon dauf! Tombowstifte müssen auch mit und ich kaufe schöne Postkarten für zwei Herzensfreundinnen und eine Hochzeitskarte.

Mittagessen. Es gab Beeren pur. Die Himbeeren waren schon verputzt. Lecker.img_8482-4

Darf ich vorstellen, wir haben seit Dienstag einen neuen Mitbewohner. Egon. Egon hält uns vielleicht in Zukunft die ein oder ander Fliege fern. Irgendwie ist es gruselig. Aber Little Miss Wunsch nach einem Hund kann ich derzeit auch wegen der Wohnumstände nicht nachkommen, also war das die Kompromisslösung und sie ist soooooooooooooooo glücklich damit. img_8388

Geplant war der Nachmittag eigentlich anders, aus vielen Gründen blieben wir aber daheim und Litte Miss spielte bei uns mit ihrer Freundin. Ist ja nicht so das wir Platz hätten, aber unter der Treppe ist es halt gemütlich!img_8500-4

Ich nutze die Zeit zum bügeln, Miss Annie sprengt die Party, am Bügelbrett und bei den beiden Großen. Sie hat allem Anschein nach Spaß!img_8489-5

Nach dem Abendessen das übliche Durcheinander.img_8513-4

„Freunde sind übrigens die, die bleiben, wenn man mal eine Zeit lang nicht wie gewohnt funktioniert.“
Beim organisieren diverser Termine und  fällt mir dieser Spruch in die Hände, treffender kann man es wohl nicht sagen.img_8407

Genug für heute, bis zum Wochenende habe ich meine ToDo Liste abgearbeitet, den Bürokram fertig, sämtliche Anträge weggeschickt und so weiter, dann werde ich Abende wieder mal auf dem Sofa verbringen. Es ist Serienzeit! Ich mag den Herbst, wenn er einmal da ist, Abschiede vom Sommer sind schon immer schmerzhaft.

Gute Nacht Freund der Sonne.

Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? WMDEDGT 10/2017

Ach, Henry Ford hatte so recht „Denken ist die schwerste Arbeit, die es gibt. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum sich so wenig Leute damit beschäftigen.“
Aber mehr von denen die sich damit beschäftigen findet ihr bei Frau Brüllen!
Hier meine Zusammenfassung was ich so den ganze Tag im groben gemacht habe.

04:55

Der Wecker klingelt. Ich bin so unfassbar klug und mache ihn einfach aus. Kann man machen, wenn man um

05:45

Wie vom Blitz getroffen im Bett steht und eigentlich schon geduscht sein wollte. Hättehätte.

06:30

Ungewöhnlichster Weise schlafen alle noch. Da ich in 30 Minuten das Haus mit Miss Annie verlassen muss wecke ich alle auf. Vermutlich ist an mir eine Soldatin verloren gegangen. Sanft wecken geht anders. Wie in diesen hübschen Familienfilmen wo die Mutter vermutlich blumig riechend schon den Frühstückstisch hergerichtet hat und die Kinder zwitschernd aufweckt, die Betten lüftet und den Mann mit einem liebevollen Kuss aus dem Bett lockt. Ich muss Euch enttäuschen, nix von Romantik um diese Uhrzeit, aber der Mann bekommt einen Kaffee in die Hand gedrückt auf dem Weg vom Schlafzimmer ins Kinderzimmer wo er die Kinder anziehen muss und das einzige was hier blumig riecht ist evtl. mein Parfum.

06:42

Ich habe Frühstück fertig, Brotzeitzdose für Little Miss hergerichtet. Der Frühstückt mit den Kindern, ich räume alles zusammen, noch 20 Minuten dann muss ich fahren.

07:03

Los gehts. in 45 Minuten muss ich im Norden der Stadt sein, Navi sagt Ankunft um 07:37, super. Zudem bin ich begeistert wie warm es ist, hat was von Kalifornischem Klima, so ist dort der Winter. Mag ich sehr! Der Wetterbericht sagt aber Sturm und fiese Kaltischkeit voraus. Nungut, living in the moment oder so.
Es staut sich, überall.  Ich nutze die roten Ampeln und Blechkolonnen um der Sonne zuzuschauen wie sie sich ihren Weg majestätisch durch die Wolken bahnt. Das Lichtspiel am Himmel ist toll, im Radio spielt Bayern2 Side von Travis, ein kurzer Moment wie Urlaub in ganz weit weg. Millisekunden. Glauben die Menschen eigentlich, wenn sie permanent hupen, das es dann schneller geht? Es erweckt so den Eindruck.

07:45

Bis dann doch nix mehr geht, denn jetzt hätte ich eigentlich schon in der Praxis sein sollen. Termin ist 08Uhr und dauert noch mindestens eine halbe Stunde bis ankomme.
Miss Annie bekommt für das SchlafEEG vorab Melatonin verabreichest, damit sie auch schläft.  Dafür muss man vor dem eigentlichen Termin da sein, damit das wirken kann. Ich beschliesse den mittleren Stadtring zu verlassen und fahre Querbeet, immer wieder bin ich erstaunt wie gut ich diese Stadt kenne. Häschtag Heimat und so.

08:14

Ich bin da. 19km, 71 Minuten und ein paar irre Autofahrer später. Leute, relaaaax.
Die Dame die das EEG schreibt mag mich auf den ersten Blick nicht. Das sind ganz wunderbare Voraussetzungen dafür, dass wir es diesmal besser hinbekommen wie beim letzten Mal. Beim Anlegen der Elektroden motzt Miss Annie lediglich, als sie sich dann aber in meinem Arm hinlegen soll schreit sie unentwegt. Zudem sagt die Arzthelferin immer wieder mit piepsiger Stimme, das ist kein Scherz: „Wieeeeee auf dem Fahrrad hast Du einen Heeeeelm aaaaaan, wieee auf dem Faaaahraaaad.“
Der enge helle Raum, die Maske auf dem Kopf, die Spieluhr die bimmelt. Ich bitte die vermutlich kurz vor der Rente stehende Arzthelferin in einem sehr netten Ton den Vorhand zuzuziehen, so dass es dunkler wird. Auweia. Was habe ich getan.
Mich durchzuckt ihre Berührung ihrer eiskalte Hand und sie schaut mich mit angsteinflössenden Augen an die noch kälter wie ihre Hände zu sein scheinen und pflaumt mich an, dass ich gefälligst mich enstspannen soll, damit es das Kind auch tut und zieht dann demonstrativ diese dudelige Spieluhr wieder auf. Miss Annie schreit und schreit und schreit. Guuuuut, ich schaue mir das 10 Minuten an, dann fängt die Kleine an zu schwitzen, kurz zuvor hat sie noch eine Flasche Milchnahrung zu sich genommen und ich befürchte, dass diese gleich schwellartig auf mir Landen könnte. 20 Minuten halte ich das Hilfesuchende Geschrei meiner Tochter aus und breche das ganze dann wieder ab. Sie wird so nicht einschlafen. Egal wie lange wir das hier versuchen. Dieses kleine Menschlein hat einen unbrechbaren Willen, wenn sie etwas nicht will, dann will sie das nicht. Wurscht ob ich da dutzidutzi mache, ihr ein Schlafhormon verabreiche oder whatever. Nach der Dosis hätte sie eigentlich binnen Minuten schnarchen müssen. Hättehätte.

09:20

Besprechung des EEGs mit dem Arzt. Es ist alles in Ordnung. Das ist so wunderbar!!! Trotz das sie sich so furchtbar reingesteigert hat in das Geschrei und immer wieder ihre kleinen Hände verkrampfte und der ganze Körper sich mit allen Mitteln und Wege aus dieser Situation zu befreien versuchte, alles oke. Der Arzt ist fantastisch. Kompetent, super sympathisch und verständnisvoll. Es wird vorerst kein weiterer Termin vereinbart, sollte alles so bleiben wie es ist muss ich erst in einem Jahr wiederkommen. Ausser Auffälligkeiten werden sichbar, wie das sie sich nicht weiterhin entwickelt, Krampfanfälle oder andere Dinge, ansonsten besteht erstmal kein weiterer Bedarf an EEGs. Jipiiii.

09:50

Heimweg. Ich fahre durch die Stadt, Schwabing ist toll. Überall färben sich die Bäume und die Sonne macht ein tolles Licht. Am liebsten würde ich mein Auto parken und im Englischen Garten spazieren gehen. Why not? Miss Annie ist gerade eingeschlafen, der Verkehrt ist auch nicht viel besser wie heute morgen und um 12:30 kommt Little Miss aus der Schule nach Hause, ein Haufen Wäsche wartet, die Spülmaschine … ich fahre heim.

11:04

Endlich zu Hause. Miss Annie bekommt ein warmes Mittagessen und geht dann in die Badewanne, noch schnell Wäsche aufhängen weil der Wind gerade so super alles trocknet.

11:58

Mittagsschlafzeit. Es ist stockfinster im Schlafzimmer, ich lege mich aufs Bett, Miss Annie neben mir. Wie sehr ich diese friedlichen Momente liebe. Ich schließe meine Augen und es dreht sich alles. Eine furchtbare Müdigkeit steckt in meinen Knochen. Sie kommt so nicht zur Ruhe, ich mache ihr eine Flasche Milchnahrung.

12:21

Little Miss kommt heim. Sie ist so müde, eigentlich könnten wir alle drei jetzt eine Mütze voll Schlaf gebrauchen. Sie will lieber sich auf dem Sofa ausruhen mit „was angucken“. Normalerweise gibt es das nicht gleich nach der Schule (vorher hier auch nicht, ich mag kein TV oder iPad vor 10Uhr!), Mittagessen und Hausaufgaben, danach ist oke. Also, heute Ausnahme. Miss Annie zieht die Flasche weg, dreht sich um und ist tief und fest am schlafen, ich gönne mir auch 20 Minuten.

12:51

Little Miss will nichts essen, also machen wir Hausaufgaben. Sie sitzt am Esstisch, malt Einsen, ich räume die Küche auf. Spülmaschine aus und wieder ein, Flaschen vaporisieren, achja und Wäsche! What else?!

13:30

Hausaufgaben sind erledigt, Litte Miss darf ihren Rest verbleibende Medienzeit nutzen, Miss Annie schläft ihren Melatoninrausch aus und ich versuche hier halbwegs meine heilige Ordnung wieder herzustellen. Der Wind verteilt diverse Lingerie auf der Dachterasse, Sisyphos-Arbeit das alles einzusammeln!

14:57

Ich lass alles stehen und liegen und wir fahren zu unserer Verabredung am See. Der Wind fegt uns ganz schön um die Ohren, aber es ist warm und das Wasser sieht aus wie im Meer. Die Kinder sind happy und spielen ausgelassen, ich kann mich dem Luxus hingeben und mit meiner lieben Freundin einfach dasitzen und reden. Am liebsten wäre ich daheim geblieben, hätte gebügelt und alles was noch ansteht erledigt. Wie gut das wir raus sind. Es war die bessere Entscheidung. Herbst hat schon durchaus seinen Charme. Wieder ist das Licht irgendwie besonders schön.

16:50

Es zieht zu und der versprochenen Regen scheint sich auf den Weg zu machen und ist allem Anschein nach nicht mehr fern.

17:10

Daheim angekommen ärger ich mich wieder darüber, das „unser“ Parkplatz fremdbeparkt wurde. Ja, ich habe durchaus andere Sorgen wie mich darüber aufzuregen, dass jemand unseren persönlich für Annie genehmigten Behindertenparkplatz zustellt, vorsätzlich oder nicht. Trotzdem find ich das nicht gut. Ich habe Glück und kann nun vor meinem Stellplatz parken. Mein Arm schmerzt schon länger und ich bin um jeden Meter dankbar, den ich Miss Annie nicht tragen muss. Vom Parkplatz bis zur Wohnung sind es zwei Stockwerke ohne Aufzug und ca. 100 Meter vom Haus aus bis zum Auto. Ich falle nicht von der Hautür ins Auto! Das wäre hervorragend!
Es gäbe durchaus die Möglichkeit da Konsequent die Fahrzeuge abschleppen zu lassen. Ein Telefonat bei der Polizei und die kommen. Macht man das? Lässt man seine Nachbarn abschleppen? Nein, man parkt auch einfach nicht da wo man nicht darf. Bin ich ohne Miss Annie unterwegs parke ich auch auf regulären Parkplätzen. Das macht man einfach nicht. Ich finde das Abschleppen ist erstmal keine Option. Auch wenn die Polizei es mir ausdrücklich empfiehlt. O-Ton „Die meisten lernen es erst wenns teuer wird“. Traurig aber leider wohl wahr, Erfahrungswerte nannte man mir das.

19:10

Endlich Abendessen. Ich rette mein Rest getrocknete Wäsche vor dem Regen, bezog das Bett noch frisch und wir pumpten unser neues Planschbeckentrampolin auf. Wir sind seitdem alle high. Himmel stinkt das nach Plastik!!!! Das gute Teil steht nun erstmal zum ausdünsten auf der Dachterasse, angebunden, so dass es nicht fortfliegen kann bei dem Sturm.

19:30

Der Mann bringt die Kinder ins Bett, ich schmeiss mal wieder die Spülmaschine an, lege Anziehsachen der Kinder für morgen früh raus und setzte mich an den Computer. Ich muss Dinge bestellen, verschiebe das aber auf morgen, schreibe eine Einkaufsliste und stelle fest das ich Angebote von Kinderanziehsachen beim Discounter verpasst habe, verdammt!

22:45

Ich muss ins Bett. Habe den Abend mit Dingen für mich verbracht. Keine Wäsche gebügelt oder mehr aufgeräumt, sozusagen mir selber freigegeben. Alles was bis 20h nicht gemacht ist bleibt liegen, vielleicht lebe ich das in Zukunft so.
Gute Nacht Freund der Sonne.

Lebensmelodie.

Heute vor zwei Jahren lag mein kleines Mädchen das erste Mal in meinem Arm und ich wusste das ihr Zweitname California sich richtig anfühlt. Bis heute.
Dieses Gefühl bestätigt sich jeden Tag aufs neue.
Miss Annie California ist eine Inspiration. Dafür, das egal was das Leben Dir bietet, es immer einen Weg gibt, die Richtung ist dabei nicht weisend. Man muss sich nur trauen ihn zu gehen. Sie zeig es uns. Ihre Unbeschwertheit ist so unglaublich ansteckend.

Es ist wie wenn Claudia Koreck das Lied Paper Aeroplane  in Los Angeles für Miss Annie geschrieben hätte. Diese Zeilen sind sie, mein kleines Mädchen, was nicht aufgibt. 

* * *
Flying blind upon your world

Hey dragon fly
The clouds like wadding in the sky

Colors  turn to green and blue
See you soon
And people passing bye

 The planet turns, I turn to you
Let’s leave the tears behind

Hey paper aeroplane
I wann see the world like you
Hey paper aeroplane
Fade into the blue

I’m not flying anywhere
The wind decides
To where I’m turning to

I don´t feel no pain at all
What bothers me
Gets swallowed by the moon

 A ray of light just hit my eyes – huhu
While I’m over Kauai

 Hey paper aeroplane
I wann see the world like you
Hey paper aeroplane
Fade into the blue

Hey fly with me
Take me away
To Fullmoon Bay

Flying blind upon your world
Hey dragon fly
And people passing bye

* * *

Happy Birthday Miss Annie California.

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Reaktionen. Reagieren?

Wenn wir bedenken, dass wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt. Mark Twain

Sie ist laut, lauter wie Kinder in ihrem alter die anfangen zu reden und bereits einige Wörter sprechen können. Bei der U7 sollen der Norm nach etwa 250 Wörter verstanden werden können, bekannte Gegenstände und Tiere bekannt werden können und kurze Aufforderungen könnte folge geleistet werden. Miss Annie artikuliert sich durch Blickkontakt und Laute, denen Fremde meist jedoch keinerlei Zuordnung geben können.

Vorgestern mit Miss Annie beim Metzger. Vor mir eine junge Mutter mit einem schlafenden Neugeborenen in der Babyschale. Sonst war keine weitere Kundschaft im Geschäft. Miss Annie freut sich jedes Mal, wieso kann ich nicht genau sagen, wenn wir dort sind. Sie quiekt laut, zappelt auf meinem Arm rum, ballt ihre kleinen Händchen zu Fäusten, knirscht gleichzeitig mit den Zähnen, wirft den Kopf vor und zurück, verdreht die Augen und quiekt. Laut. Sie ist aufgeregt und freut sich. Ich lege meinen Zeigefinger auf ihre Lippen und mache ein leises „schhhhhhschhhschhhhh“, halte dabei Blickkontakt. Funktioniert. Nicht immer. So wie vorgestern. Sie zappelt, klopft immer wieder mit der flachen Hand auf mein Arm, brabbelt und quiekt fröhlich. Ich bin an der Reihe. Die Verkäufern lacht und sagte „Ja mei, des is ja a aufgwecktes liabs Kind“. „Mhmmhmm“ sage ich und nicke. Die junge Mutter vor mir wirft mir bereits schon zum wiederholten Male einen scharfen Blick zu. Ihr Baby fängt an zu weinen, die Mutter wird hektisch und schaut mich wieder scharf von der Seite an. Ich ignoriere die Blicke, ihren schüttelnden Kopf und das „ohhhhhhtzzzzzzz“ das vermutlich wohl soviel heissen soll wie „Herzlichen Dank, durch den Krach ihres Kindes ist MEIN Baby aufgewacht“. Jeder der ein kleines Baby hat weiss wie gut es tut wenn die Kleinen (endlich mal) schlafen und finden es nicht erfrischend wenn sie durch irgendwas geweckt werden. Ja, auch ich kann es irgendwie verstehen das sie genervt ist. Von uns. Ich habe eine extrem sensible Antenne für Stimmungen und nicht gesagtes. HSPtypisches Verhalten. Kurz überlege ich ob ich mich entschuldigen soll, dass mein Kind so laut ist und ihres deswegen aufgewacht ist. Dann schiesst mir durch den Kopf für was ich mich eigentlich entschuldigen sollte. Die Lautstärke? Dafür, dass sie nichts dafür kann? Oder das sie eben anders ist? Trotz allem genießt Annie auch Erziehung und Neins! Meine Gedanken fahren Achterbahn. Einerseits bin ich sauer, sauer darüber das immer sofort geurteilt wird. Sauer, das ich manchmal so bin wie diese Mutter. Was denkt man denn als erstes wenn man eine Mutter mit ihrem wildgewordenem Kind auf dem Arm beim einkaufen sieht? A) Kann die Ihr Kind nicht mal erziehen ODER B) Das Kind kann nichts dafür weil warumwieso auch immer. Ich entscheide mich nichts zu sagen. Es einfacher es dabei zu belassen. Ich bin müde vom Tag, müde von den letzen Monaten, den ganzen Kämpfen, mit anderen und mir selber. Vor allem, was soll ich bitte sagen? „Entschuldigung das mein Kind so laut ist, sie hat einen sehr seltenen Gendefekt und kann sich nicht anders artikulieren?“ Und warum? In diesem Moment finde ich es so unfair Miss Annie gegenüber, sie kann nichts dafür und wird durch eine Fremde Mutter verurteilt. Und ich bin wütend über meine Ohnmacht. Sie nicht so zu verteidigen wie sie es verdient hätte.

Wieso rechtfertige ich mich oder habe das Gefühl das ab und an tun zu müssen? Für was? Etwas das die Natur entschieden hat, dass es so ist? Situationen wie diese lassen mich realisieren das wir im Inneren, in unserem zu Hause frei sind und so leben wie wir es für richtig empfingen, unseren Weg schon gefunden haben und auf dem sehr glücklich sind. Es aber nach aussen noch lange nicht so weit geschafft haben. Noch nicht. Vielleicht lache ich in ein paar Monaten über Situationen wie diese und bin den Weg ein Stück weiter gegangen. Den, auf dem man auch im Aussen die innere Balance gefunden hat.

 

 

 

39,6°

Das Licht im Krankenhausflur scheint zur Türe rein, das Zimmer ist dunkel. Die Stille der Nacht dringt durch das gekippte Fenster. Miss Annie liegt völlig erschöpft auf mir und versucht ihren geschwächten Körper auszuruhen. In diesem kurzem Intervall der Stille merke ich wie die Erschöpfung in mir hochkriecht. Überall rieche ich ihren entleertem Mageninhalt. Ihre Haare sind verschwitzt und verklebt. Ja, wir sind wahrlich kein appetitlicher und nasenfreundlicher Anblick gewesen zu diesem Zeitpunkt.

Das Wochenende war ruhig. Donnerstag hatte ich seit langer Zeit malcdas Gefühl so etwas wie eine innere Ruhe wieder zu verspüren. Vermutlich zerstörte ich das Aufkeimende in dem ich es aussprach. Die letzte Woche war anstrengend und schön. Franks Beerdigung hängt mir sehr nach. Es war eine schöne Zeremonie, die Sonne schien und überall auf den Wiesen blühen Krokusse und andere bunte Frühlingsblumen. Er hat einen schönen Platz. Aber er wird sehr schmerzlich vermisst. Dennoch, sowas wie innerer Frieden zog ganz langsam wieder sein. Bis auf das kurze Intermezzo gestern Abend scheint dem auch weiterhin so zu sein. Das zur Ruhe kommen brauche ich so dringend.

Gestern Abend. Mit einem Schlag war innerer Frieden und so weiter vorbei. Miss Annie war seit Freitag nicht ganz so wie sonst, ein wenig malad. Sie schlief viel, wartangeschlagen. Ich schob es auf die Zähne die sich mit aller Gewalt durchschieben gerade. Am frühen Abend war sie warm, das Fieberthermometer zeigte eine leicht erhöhte Temperatur an. Nichts, was mich beunruhigte. Alles unter 38,5° ist laut Aussagen verschiedener Kinderärzte nicht tragisch.

22:06 Ich war dabei Bürokram zu erledigen, Dinge die einfach schon zu lange darauf warten erledigt zu werden. Dann hörte ich komische Geräusche aus dem Schlafzimmer und spürte das was nicht stimmt. Ich nahm Miss Annie hoch. Dieser kleine Körper glühte und würgte, sie Erbacht sich und war wie ein Flummie in meinen Armen, ihre Körperspannung war weg, nicht mehr da. Die Augen halb offen, sie war nicht wachzukriegen.

22:11 Im Badezimmer versuchte ich sie mit einem nassen Waschlappen sanft aufzuwecken, keine Chance. Sie verdrehte durchweg die Augen, beim hinsetzten sackte sie in sich zusammen und kam nicht zu sich. War das der epileptische Anfall von dem wir hofften das er nicht kommt? Mein Bauchgefühlt schrie nach einem Arzt. Ich wähle die 112. Super auch, wenn da keiner rangeht. Ich lege auf und versuche es erneut. Das ganze dauert vielleicht 20 Sekunden, es kommt mir vor wie eine Ewigkeit.

22:18 Meine Erinnerung ist wie von einem milchigen Vorhang bedeckt. Erstaunlicherweise funktioniere ich in solchen Situationen absolut rational. Zuerst kam ein Rettungssanitäter und eine Ärztin, dann kamen nochmal zwei, ein Arzt und nochmal eine Ärztin und irgendwie klingelte es nochmal an der Türe. Irgendwann waren sieben Ärzte und Sanitäter und welche von der Feuerwehr hier.  Es wird die Sauerstoffsättigung der Kleinen gemessen und Fieber. 39,6°. Wer weiss wie hoch es zuvor war und zack, da sind sie auch schon da, die Vorwürfe die ich mir mache. Als ich das letzte Mal Fieber misste zeigte es 38,2° an, nichts was mich enorm beunruhigte. Sie bekam ein Fieberzäpfchen und ganz langsam sank die Temperatur. Es wurde gemutmaßt, dass es sich um einen Fieberkrampf handelte und kein epileptischer Anfall. Nicht wirklich weniger beruhigend.

22:42 Wir steigen in den Krankenwagen, es geht in das Krankenhaus was ich am liebsten von aussen sehe. Von ganz weit weg. Es gibt leider Situationen denen muss man sich beugen. Wie dieser hier.

23:02 Ankunft im Krankenhaus. Ich will nicht hier bleiben und auch überhaupt nicht hier sein. Macht man aber so, sagen die Ärzte. Nach einem Fieberkrampf bleibt man für 24std. zur Beobachtung. Das Fieberzäpfchen wirkt und Miss Annie macht lauthals klar, dass sie keine Lust hat auf das was hier jetzt folgt. Oh wie gerne hätte ich auch lauthals mich so kundgetan! Das Risiko in einer weissen Jacke abtransportiert zu werden schien mir aber nicht all zu fern, also gab ich mich wie es mich die gute Kinderstube gelernt hat höflich und freundlich. Details erspare ich uns allen an dieser Stelle.

Es dauert zwei Stunden, es wird Blut abgenommen (die Schwestern kamen vermutlich aus der Tierklinik?!), und dann sollten wir dableiben. Jedoch sagte das Labor, das Blut ist bis auf einen kleinen Infekt, der wohl das Fieber verursacht alles oke. Keine Anzeichen einer Meningitis , eines epileptischen Anfalls oder ähnliches. Es war ein Fieberkrampf. Schwieriger zu diagnostizieren, da sie auf Grund ihrer fehlenden Fähigkeiten nicht die typischen Krampfbewegungen während des Fieberkrampfes zeigte.

Miss Annie brauchte Ruhe, ganz dringend. Sie schläft immer wieder kurz ein, muss aber wieder und wieder geweckt werden. Ich diskutiere kurz mit der wirklich netten Ärztin (die war wirklich sehr nett!!!) und sie versteht meine Gründe, dass ich hier nicht bleiben will. Miss Annie ist kein normales Kind und ich wusste, wenn sie nicht die Ruhe bekommt die sie braucht wird das nicht mit einer schlimmen Nacht vorbei sein. Sie zehrt tagelang von sowas und regeneriert sich von solchen stressigen Situationen nicht so schnell. Zudem mit zwei weiteren Kindern und Müttern im Zimmer, NEIN! Ich unterschrieb das Formular in dem geschrieben stand, dass ich die Aufnahme verweigere und rief meinen Mann an, er soll mich holen kommen.

00:58 Der weltbeste Mann macht sich auf den Weg um mich abzuholen! Ich spaziere mit der Kleinen auf dem Arm die Strasse runter. Diese Ruhe. Sie fängt an ganz ruhig zu atmen. Die klare Luft tut gut.

01:18 Ich steige ins Auto. Wir fahren nach Hause. Mein Liebster hat Little Miss im Schlafanzug ins Auto gepackt und ist zu mir gekommen. Ich liebe meine kleine Familie. So unendlich sehr.

02:48 Frisch geduscht und nicht mehr mit „Kotz au de Toilette“ behaftet liege ich mit der Kleinen auf mit auf dem Sofa. So konnten wenigstens mein Mann und Litte Miss in Ruhe schlafen. Miss Annie weinte und weinte, ich trug sie durch die Wohnung und ganz langsam fand sie in den Schlaf. Hilflosigkeit ist eines der unschönen Seiten am Mamasein. Je ruhiger ich werde, desto langsamer atmet sie bis die Augen zugehen und wir ein wenig schlafen. Miss Annie wachte immer wieder auf und weinte bitterlich. Alles was ich tun konnte war sie wieder auf mich zu legen. Es half ihr. Um 4h bekam sie noch einmal ein Schmerzzäpfchen und bis kurz vor sechs genoss ich den Luxus einer kurzen Tiefschlafphase.

Das kleine Ruhepflänzchen in mir muss weiter wachsen, nicht nur kurz aufkeimen. Sieben Monate purer Wahnsinn haben seine Spuren hinterlassen. Vor allem tieeeeefe nicht mit Concealter behandelbar Augenringe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

12 von 12 – Januar 2017

Da isses nun, das neue Jahr. Und das erste Mal 12von12. Nachträglich, denn ich schlafe zur Zeit meine Augenringe weg. Ein Selbstversuch sozusagen. Das hat leider zur Folge, dass ich gestern mit dem Kinder in Bett bringen mich auch selber hinlegte und die Nacht irgendwann mal aufwachte und beschloss einfach weiterzuschlafen. Neun Stunden fast am Stück. Reborn. Immer noch mit Augenringe und eine Laune der Miss Annie die heute vermutlich starke, seeeeehr starke Nerven verlangen wird. Ohhhhmm.

But first Coffee. Egal wie Zuckercarbwasimmerfrei, Coffee is a must. Bohnen aus der Rösterei Dinzler haben sich als die Besten erwiesen.

Frühstück im 06:10. Coffee No2. Müsli und Brei für den Nachwuchs.

Eines der Tagesprojekte: Kinderzimmerkuschelecke reaktivieren. Umräumen, aufräumen.

Noch son Tagesprojekt. Wäsche. Wäschewäschewäsche. Never ending Story.

Mittlerweile ist es hell. Das Bild ist von vorgestern, nicht von gestern. Es schien die Sonne. Sie lachte vom Himmel und lies den Schnee glitzern. Die Kirschblüten sind heute noch genauso schön, nur mit grau am Himmel. Es regnet und der Schnee schmilzt fies eklig matschig dahin. Nix mehr mit Glitzerwinterromantik. Diese schnelle Vergänglichkeit macht mich nachdenklich.

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Vormittagssnack. Ist wirklich lecker. Und hat wenig Weightwatchers Points, einen ganzen.

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„ALWAYS BELIEVE THAT SOMETING WONDERFUL IS ABOUT TO HAPPEN“ Die Kerze brennt den ganzen Tag für einen leider sehr kranken Freund der Familie.

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Miss Annie brütet etwas aus, oder zahnt. Mittagsschlaf ist demnach und sowieso immer eine gute Idee.

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Wäscheberge gebügelt und verräumt, alles staubgewischt und ich nutze die Zeit währen die Kleinen schlafen zum putzen. Um danach evtl noch die Chance auf eine heisse dusche in Ruhe zu haben. (Hatte ich, wie Wellness!)

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Winterdeko. Mit ist noch nicht wirklich nach Tulpen.

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Geschwisterliebe. Aus tiefstem Herzen. Little Miss liebt ihre kleine Schwester und umgekehrt. Eifersucht blieb bislang aus. Ich wünsche mir sooo sehr, dass das so bleibt in der Zukunft.

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Mein Organisationsaustall. Der sollte gestern schon aufgeräumt werden. Dann halt eben heute! Vermutlich. Wir haben gestern das Haus nicht verlassen und den Gazen Tag gekuscht, aufgeräumt, gespielt, gelesen und ein wenig Fernsehen für Little Miss war auch drin. Richtig schön!

 

 

Balance finden.

Unsere Tage müssen geplant werden. Spontane Aktivitäten sind nur noch bedingt möglich. Miss Annie schläft noch zwei Mal am Tag, jeweils um die zwei Stunden. Ich plane die Woche grob durch, so dass sie genug Möglichkeit hat in Ruhe zu schlafen. Als Little Miss so klein war habe ich es nicht grundlegend anders gehandhabt. Mir war es immer wichtig die Tage auf die Bedürfnisse der Kinder abzustimmen.

Gestern war ein Termin in einem grossen Einkaufscenter geplant, um die Absturzsituation meines mobilen Telefons durch Fachleute beheben zu lassen. 15h35 und 20 Minuten Fahrtzeit. Mitten am Nachmittag, die eigentlich der Grossen gehören. Die Vormittage sind zum erledigen, einkaufen, Haushalten und in Zukunft für Therapien von Miss Annie, die Nachmittage gehören Little Miss. Vor meinem Termin wollten wir noch zum Schlittenberg rodeln. Die Sonne schien, es war herrlichstes Wintersonnenwetter und es widerstrebte mir die beiden Mädels ins Neonlicht geflutete Center zu bringen. Ich lies das Telefon das sein was es war und wir verbrachten die Sonnenstunden draussen und Little Miss rodelte als ob es kein morgen gab. Den Tag in diese Richtung spontan umzuentscheiden ist machbar. Andersherum nicht.

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Rodeln bei schönstem Winterwetter

Heute konnte ich dann am Vormittag den Reperaturtermin wahrnehmen. Wir waren gut 2 1/2 Stunden dort und gingen noch ein bisschen bummeln. Miss Annie schlief morgens nicht mehr daheim, sondern erst völlig erledigt im Auto ein. Für 20 Minuten Fahrtzeit. Beim herausholen aus dem Kindersitz und reinlegen in den Kinderwagen war sie wieder wach und war weit entfernt von weiterschlafen. Dementsprechend oft verdrehte sie ihre Augen, drehte den Kopf schnell von links nach rechts wie ein ständiges neinschütteln und krampfte ihre Händchen zusammen. Auf dem Rückweg nach Hause war Miss Annie extrem unruhig. Daheim angekommen gab es Mittagessen und im Anschluss ging es ins Bett. Es dauerte eine Weile bis sie schlief, dann wurden es etwas mehr als drei Stunden. Der kleine Körper war völlig erledigt. Es gibt verschiedene Arten von Müdigkeit, diese wo die Kleinen völlig vom Stress erledigt einschlafen, schmerzt mir in der Seele. Es ist nicht ein schönes erschöpft sein vom draussen toben oder ausgiebigen spielen, einfach weil es zu viel war. An manchen Tagen geht es, an manchen eben nicht. Heute wär ich besser einfach zu Hause geblieben. Wenn man das immer vorher wüsste … Ich bekam dann am Vormittag eine Nachricht einer lieben Freundin, ob wir am Nachmittag spontan Lust hätten mit in den Indoorspielplatz zu fahren. Und da war es wieder. Das wollen aber nicht können. Aus Vernunftgründen Miss Annie zu liebe. Das Spontane was einfach nicht (mehr) geht. Indoorspielplatz ist Stress für sie, die vielen Menschen, die permanente Lautstärke. Es ist aber grenzenloser Spass für Little Miss. Immer wieder gibt es Situationen wo ich auch spontan absage, weil es einfach nicht in unseren Alltag passt. Es ist kein Tag wie der anderer. Aber deswegen nicht weniger Lebenswert. Aber dann, in so stillen, kleinen leisen Momenten hat sie mich, die Zerrissenheit. Sie packt mich immer mal wieder ganz kurz. Einerseits will ich der Grossen nicht den Spaß nehmen, andererseits hatte die Kleine wie heute morgen einfach zu viel Stress und musste dringend ins Bett. So war es geplant. Und schlafen im Tragetuch oder im Kinderwagen ist nicht das selbe wie im Bett zu Hause bei abgedunkelter Ruhe. An solchen Tagen muss ich abwägen. Rechtfertige mich unnötiger Weise vor mir selber. Und entschied: Schlaf für Miss Annie und kein Indoorspielplatz für Little Miss. Langsam lege ich das Schlechtegewissendenken ab. Es gibt viele Tage da muss Miss Annie zurückstecken, ebenso auch an anderen Little Miss.

Erst letzte Wochen entschied ich mich dagegen, nächste Woche wieder in die Heimat zu fahren. Ich merkte wie mir innerlich die Kraft ausging und zog die Notbremse. Trotz Heimweh bleibe ich hier. Es ist nicht gerade leicht zur Zeit mein Partner, meine Freundin, meine Mama oder mein Papa zu sein. Alles schreit innerlich nach Ruhe. Am liebsten würde ich mich mit meiner kleinen Familie in den Flieger setzten und Tage am warmen Strand verbringen. Kraft tanken. Auch ohne wegfliegen versuchen wir uns in einen neuen Alltag einzuleben und fangen an uns in der neuen Situation sicherer zu fühlen. Wissen was einem selber, dem Partner und den Kindern anfängt gut zu tun macht mich wieder glücklicher. Passiert noch nicht so häufig, aber wir sind auf einem guten Weg sagt mir mein Gefühl die Balance zurückzugewinnen.