Vollzeitjob in oberster Führungsebene.

Vor etwas mehr als sieben Jahren habe ich meinen Arbeitsplatz aus Gründen gekündigt. Dann trat ich ohne Grundkenntnisse den Job meines Lebens an.
18 Stunden sind das normale Tagespensum, Nächte mit weniger als zwei Stunden Schlaf gibt es öfters im Monat und gesetzlich geregelte Pausen wie wir sie aus einem gut bezahlten Arbeitsleben kennen existieren nicht, das abfeiern von Überstunden fällt gänzlich weg, permanente Verantwortung.

Ich bin Vollzeitmutter.

Und da höre ich sie schon, die Stimmen die mir sagen „Waaaaas? Und wiiieso arbeitest Du niicht? … willst Du nicht noch Dein Studium zu Ende machen … Du MUSST …“
Es wird so unendlich viel von Toleranz geredet, dass jeder das für sich machen muss wie er will. Gelebt wird das meines Erachtens anders. Es ist egal ob Du Dein Kind mit drei Monaten in die Krippe gibt, weil Du musst/willst/musst&nicht willst, es ist egal, ob Du Dein Kind bis zur Schule gar nicht in eine Fremdbetreuung gibst, es ist egal ob Dein Kind Ferseh schauen darf oder nicht, diese Liste ist endlos. Es ist egal. Immer werden sich Menschen über Dich unterhalten und es ver- & beurteilen, ob es gut ist oder nicht. Auch wenn sie es gar nicht können. Ihnen vollkommen der Einblick fehlt in das Ganze.
Gerne wird man auch mal als negativ behaftete Supermutti/Rabenmutter, je nach Lage, im schnippischen Ton betitelt.

Muttersein ist meines Erachtens eine der größten Aufgaben & das grösste Abenteuer meines Lebens. Ich liebe es.

Das heisst nicht das ich 28 Stunden am Tag freudestrahlend und total relaxed mit einem Dauergrinsen durchs Leben laufe. Nein. Ich kann auch sehr gut total übermüdet schlecht gelaunt sein und motzig, unfair und es gibt Tage an denen kenn ich mich selber nicht ausstehen. Ja. Nur weil ich es liebe, heisst es nicht, das es nur rosarote Sonnenstunden gibt. Es gibt auch mal dunkle schwarze Wolken am Mutterseinhimmel.

Aber eben nicht immer. Denn es gibt auch so Tage wie heute.
Das Wetter war perfekt. Zu kalt um ins Freibad zu fahren, aber Sonne und blauer mit hübschem wolkendurchzogenen Himmel. Nachdem ich ich am Vormittag zu Hause den Haushalt erledigt hatte und Papierkram abgearbeitet habe, während Miss Annie schlief und Little Miss ihre Medienzeit konsumierte, bin ich am Mittag mit beiden Kinder in den Wildpark östlich von München gefahren. Nur wir drei. Es war so entspannend. Ja, mit zwei Kindern kann es entspannend sein. Nicht wie früher das ohne Kinder entspannend. Aber das, wo einfach keiner weint oder unzufrieden ist. Also fast. Miss Annie litt an chronischer Übermüdung und normalem nicht schlafen könnenwollen. Aber eben ausser einer fiesen Erkältung die sie plagt war alles so normal wie es eben sein konnte.
Litte Miss war glücklich über die tollen Spielplätze, einen Greifvogelshow, Eis, Rehe die sie füttern durfte, darüber, dass wir drei einfach heute so einen schönen Tag zusammen hatten. Unwiederbringliche Zeit miteinander verbringen.

Was genau wird denn bitte mit einer Vollzeitmutter verbunden, dass es allem Anschein nach so einen negativen Stellenwert erreicht hat nur Kinder groß zu ziehen?  Und wann eigentlich wurde das „nur Muttersein“ zu so einem Negativum gemacht?
Du bist nur zu Hause und kümmerst Dich nur um die Kinder? N.U.R. Jedes Mal am 5. des Monats wenn ich bei der Blogaktion „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag“-Tagebuchbloggen mitmache weiss ich wieder, was ich eigentlich den ganzen Tag mache. Eins auf jeden Fall nicht: genug schlafen und Pausen. So Tage wie heute sind für mich leider rar. Der Sommer war zu kurz, zu viele Termine standen an, ich war vier Mal im Freibad dieses Jahr. Es war der letzte Sommer für uns ohne Schule.
Aber wenn es so Tage wie heute gibt, dann bin ich einfach nur Dankbar, dass ich sie mit den Kindern zusammen leben darf.

Ich bekomme keine Bezahlung in Form einer Gehaltsabrechnung am Ende es Monats. Auch steht hier kein Geldkoffer einfach so vor der Türe. Mein Liebster geht seinem Job nach um die Familie finanziell zu versorgen, um den Rest kümmere ich mich. Den Rest aufzuzählen wäre utopisch!
Das was ich mache wird wertgeschätzt von meinen Liebsten. Und nicht damit abgetan, dass ich ja nur zu Hause bin.
Ich habe glückliche Kinder. Meistens. Mit dem üblichen Wahnsinn der uns begleitet eben. Aber das ist es, was ich will. Klare Rollenverteilung. Wir, mein Mann und ich für unsere kleine Familie.
Und alle anderen Menschen, die das anders machen, die machen das nicht besser oder schlechter. Die machen es eben anders.

Die besonderen Momente von heute
sind die Erinnerungen von morgen.