Abbruch.

Sie weint das mir das Herz schmerzt. Im Raum ist es heiss, draussen sind es 34°, die Elektroden verrutschen, die Arzthelferin ist sichtlich genervt. Unser heutiger Termin zum Schlaf EEG war milde gesagt eine Katastrophe.

12h30 bekam Miss Annie eine Medizin die sie einschlafen lassen sollte. Es ist Schlafenszeit und ich war guter Dinge, dass das klappen wird. Ich gebe ihr noch eine Milchflasche und trage sie im Arm. Sie fängt an zu weinen, ich verlass die Praxis und geh mit ihr vor die Türe um dort auf und ab zu gehen in der Hoffnung, dass sie einschläft. Der Blick in die Bäume beruhigt sie, schon immer war sie fasziniert vom rascheln der Blätter. Im Schatten der Bäume geh ich auf und ab, wirklich zur Ruhe kommt sie nicht. Ich geh wieder rein. Mein Ellenbogen schmerzt, schon länger, ganz zu schweigen von den Verspannungen im Rücken. Wir werden ins Behandlungszimmer gerufen, es werden ihr die Elektroden an den Kopf geklebt. Bereits hier macht sie ihren Unmut lauthals bemerkbar. Der Raum wird abgedunkelt, aber Miss Annie weint immer weiter, ich halte sie fest im arm, eine Elektrode nach der anderen löst sich wieder und muss neu verklebt werde. Das Ganze geht 20 Minuten, ich summe leise, halte sie fest, lege mein Gesicht an ihrs, vom einschlafen sind wir weit entfernt. Totale Übermüdung, trotz Schlafmittel. Das zeigt einerseits wie viel Willen in diesem kleinen Wesen steckt, was fantastisch ist. Allerdings ist das der absolut unpassendeste Moment es jetzt auszuleben. Alle Mamatricks helfen nicht, sie windet sich und schreit, so sehr, dass ich weiss, wir werden das nicht zu ende bringen. Nicht schlafend. Ich spüre ihre Panik und das Unwohlsein das sie umgibt und weiss, dass die mit aller Macht nicht einschlafen wird. Ich breche das ganze ab. Keine Minute länger lasse setzte ich sie diesem Stress aus. Jedes Mal nach solchen Situationen habe ich mit enormen Rückschritten zu kämpfen, ihre hyperkinetische Bewegungsstörung prägt sich stärker aus die nächsten Tage (oder länger!), sie schlägt sich den Kopf permanent an, isst noch schlechter ….. Die Elektroden kommen in einem Zug vom Kopf runter und sie schaut mich dankend an. Wenngleich sie nicht spricht, wir verstehen uns. In solchen Situationen brauchen wir keine ausgesprochenen Wörter. Ich verlasse mit einem klatschnass geschwitztem Kind mit neuem Termin in der Hand die Praxis. Sie sitzt schluchzend in ihrem Kindersitz und wir fahren Richtung zu Hause. Der kleine Körper gibt in der vertrauten Umgebung ihres Kindersitzes auf und schliesst die Augen sobald das Auto rollte.

Jeden Tag kämpfen wir für und um so vieles. Manchmal muss man es einfach gut sein lassen. So wie heute.

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