… wenn die Sonne wieder aufgeht.

Ich stehe neben ihm im Garten, die Oktobersonne scheint noch fast sommerlich, Miss Annie ist gerade vier Tage alt. Er hält sie im Arm und ich sehe einen grossen Mann der auf einmal ganz leise und sanft wird, so wie ich ihn vorher in der Facette nicht sehen konnte. Für Little Miss war er schon immer ein Onkel, seine Lebensgefährtin eine so liebevolle Oma. Die Sommer die wir zusammen im Kleingarten verbrachten. Für mich sind sie ein wichtiges Stück Familie und wird es auch immer bleiben. Wo immer Onkel Frank ist, er bleibt in unseren Herzen.

Als er die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs bekam waren wir in Florida. Ungefähr eine Woche vor der Rückreise nach Deutschland bekam ich eine WhatsApp von ihm. Er sei krank, mehr würde er uns sagen, wenn wir wieder da sind. Ich weiss genau wo ich zu diesem Zeitpunkt war, in diesem Moment wo ich das laß versetzte es mir einen unerklärlichen schmerzlichen Stich in den Magen. Wie ein Schleier lag plötzlich auf meiner Seele, denn ich wusste, es ist schlimm. Als hochsensibler Mensch erlebt man die schönen Momente extrem intensiv, leider auch genauso in die andere Richtung die Negativen. Mein Bauchgefühl lügt nie. Ich kann es nicht erklären, ich weiss es einfach. Zurück in Deutschland, Anfang November. Ich sitze neben Ihm auf dem Sofa und erlebe alles wie durch eine dicke Nebelschicht durch die man nichts mehr sehen kann. Bruchteile wie wie „unheilbar“ und „nicht viel Zeit“ dringen noch zu mir durch und verschlagen mir die Sprache. Ich weiss nicht was ich sagen soll. Es laufen wie automatisch die Tränen meine Wange herunter. Sagen kann ich nichts.

Viereinhalb Monate blieben ihm. Niemand, der sowas nicht durchlebt, kann sich vorstellen welche Angst in ihm herrschen musste. Nichts konnte man tun, die absolute Hilflosigkeit macht sich breit. Zu sehen wie die Chemotherapie, die auch nur Lebensverlängernd wirken sollte und nicht heilend, einen grossen starken Mann bis ans Ende seiner Kräfte schwächt, macht so unendlich traurig. Geld hört zu zählen, die Zeit hebt sich zur wertvollsten Währung hervor.

Samstag vor einer Woche kam er Mittags mit seiner Lebensgefährtin aus Dubai wieder. Er wollte noch einmal die Sonne erleben, die Wärme. Er liebte Dubai. Zwei Stunden nachdem er zurückkehrte holte ihn der Krankenwagen und er wurde ins Krankenhaus gebracht. Sein Zustand verschlechterte sich dramatisch. An dem Tag vor seinem Abflug standen mein Mann und die beiden Kinder vor seiner Wohnungstüre, wir verabschiedeten uns. Ich wollte ihn umarmen, einmal fest drücken. Er wich zurück, die Gefahr sich krankheitstechnisch etwas einzufangen bei so einem durch Chemotherapie geschwächten Immunsystem wäre zu gross gewesen. Wie sagten, dass sie es sich so richtig gut gehen lassen sollen da unten. Was sagt man jemandem, der vermutlich den letzten Urlaub seiner Lebenszeit erleben wird??? Die richtigen Worte fehlten mir schon lange.

Gegen 23h fand er seinen Frieden. Für immer. Verabschieden konnte ich mich nicht mehr. Niemand konnte das. Ihm nicht mehr sagen, wie wichtig er uns, mir ist. Und im Herzen auch immer bleiben wird. Es blieb keine Möglichkeit ihm zu danken, für all die schönen Momente die wir hatten. Die warmen Sommertage im Garten, die unfassbare Gastfreundlichkeit, er war immer hilfsbereit. Jemand, auf den ich mich verlassen konnte, der sein Wort hielt. Konnte er auch ein grossartiger Nörgler sein, ein Grießgram allererster Güte, genauso gut war er. Vielleicht hätte ich es öfters zum Ausdruck bringen sollen. Ihm sagen sollen, dass er sowas wie ein grosser Bruder für mich ist. Wir kannten uns nicht lange. Vier Jahre im Bezug auf das Leben sind nicht ausserordentlich viel Zeit. Und dennoch sind diese Jahre so schön gewesen. Ich sehe noch immer das Leuchten in seinen Augen, als ich ihn fragte ob er Miss Annies Patenonkel werden möchte. Sie wird immer seine Prinzessin bleiben.

Wir können seiner seiner Lebensgefährten keinerlei Schmerz nehmen. Aber ich habe ihm versprochen, auf sie zu schauen. Was diese Frau in den letzten Monaten geleistet hat ist unbeschreiblich. Niemand hat es mehr verdient wieder glücklich zu werden. Ich wünsche mir so sehr, das die kleinen Menschen, für die sie so unendlich viel Liebe übrig hat, es schaffen sie wieder lächeln zu lassen. Niemand kann den Schmerz des Verlustes nehmen. Wir können nur für einander da sein und ihn in den Erinnerungen weiterleben lassen. Im Inneren herrscht tiefschwarze Nacht, aber die Sonne wird wieder aufgehen. Er hat gewollt, dass wir das Leben genießen, in vollen Zügen. Ich werde es versuchen. Wenn die Sonne wieder aufgegangen ist.

Im Rahmen der Blogparade von Silke von in-lauter-trauer.de möchte ich drauf aufmerksam machen, dass es hier viele weitere Lebensgeschichten gibt.

Irgendwann ist plötzlich jetzt. 

Der Göttergatte kommt zur Haustüre rein und teilt mir mit, dass sie ihn gerade holen, der Krankenwagen steht unten. Ich schnappe mir meine Jacke, jage die Treppen runter auf die Strasse und sehe sie dort verloren stehen. Nichts kann sie trösten, keiner kann ihr den Schmerz nehmen. Trotzdem nehme ich sie in den Arm und halte sie fest. Die Tür des Krankenwagen geht zu, mein Magen zieht sich zusammen das es schmerzt. Er wird nicht wiederkommen, mein Gefühl weiss es. Ich sage leise „Tschüss“.  Ich bringe sie erstmal ins Haus. Auf dem kurzen Weg von der Strasse bis ins Haus fahren meine Erinnerungen an ihn Karrusell.

Wir kennen sie und ihn seitdem wir vor etwas über vier Jahren hier in der Wisteria Lane unsere Wohnungen bezogen. Sie wurden Familie für uns, kümmern sich so unglaublich liebevoll um die Kinder. Little Miss verbringt viel Zeit bei ihnen, sobald jemand im Garten wuselt will sie hin. Es ist ein Zuhause das den Kindern gegeben wird. Drei tolle Sommer haben wir zusammen in ihrem Kleingarten den wir mitbenutzen dürfen verbracht. Eine Urlaubsoase. Ein Ort zum abschalten, ruhen und vergessen den sie mit uns teilten. Dort gelang es mir oft die Welt auszuschalten. Wir leben in der Sonne, grillten, genossen das Leben zusammen. Mein persönlich schönstes  Silvester haben wir zusammen Verbacht. Mit so viel gutem Wein, zu viel essen und noch mehr zu viel selbstgebrannten Schlehenschnaps. Patenonkel von Miss Annie. Herzensangelegenheit, seine Prinzessin. Wie ein grosser Bruder den ich nie hatte, mit unfassbar grossartigem Brummbärpotential. Eine Ebene die ehrlich war. Immer. Zu wissen wo man bei jemanden dran ist, sich verlassen kann. Diese Erfahrung durfte ich mit ihm machen.

Little Miss weint, weil sie ihm kein Bild mehr malen konnte und es ist unerträglich auch ihr den Schmerz nicht nehmen zu können. Sie hat viele Fragen und will zu ihr, damit sie sie trösten kann. Sie ist ihre dritte Oma und Little Miss erlebt den Schmerz des Verlustes bei vollem Bewusstsein. Sie will zu ihm. Sie hat von ihm vor ein paar Jahren eine kleine Stofftierkatze geschenkt bekommen, die möchte sie ihm bringen, damit er nicht so alleine ist.Mir bricht das Herz. Dieses kleine Mädchen hat so viel Liebe ins sich, so viel zu geben. Sie trauert und versteht das Warum genauso wenig wie wir. Tränen fließen unaufhaltsam.

Viereinhalb Monate sind vergangen seit dem Befund „Bauchspeicheldrüsenkrebs“. Ich ahnte als ich die Nachricht im Oktober als wir in Florida waren bekam das er schlimm krank sei, dass es ernst ist. Nach unserer Rückkehr nach Hause, wir schwebten immer noch im Ungewissen mit Miss Annies Genanalysen, da sagte er mir was los sei. Unheilbar. Chemotherapie um das Leben ein wenig zu verlängern. Mehr konnte nicht mehr gemacht werden. Wieder reisste es den so mühsam halbwegs wieder gelegten Boden der Seele unter den Füssen ruckartig weg. Kein Halt war in Sicht. Was sagt man jemandem der weiss, dass das Leben ganz bald endlich ist. Man findet keine Worte und schweigt. Plötzlich macht nichts mehr Sinn. Es zählt nur die Zeit die man noch zusammen verbringt. Welche nach und nach auch immer unerträglicher wird. Hoffnungslosigkeit, diese unerträgliche Angst ist mit unter vermutlich das Schlimmste was einem Menschen widerfahren kann. Und nichts hilft.

„Loslassen kostet weniger Kraft als festhalten. Und dennoch ist es schwerer.“ Detlev Fleischhammel

Gestern am späten Abend verstirbt er mit 53 Jahren. Ich finde keine Worte die es irgendwie erträglicher machen könnten.

Irgendwann ist plötzlich jetzt.

 

12 von 12 – Februar 2017

Zum zweiten Mal 12von12. In acht Wochen kommt hoffentlich langsam T-Shirtwetter. Ich bin keine Überdaswetterjammerin. Bringt eh nix. Allerdings verträgt mein Körper die Kälte nicht mehr. Deswegen hätte ich grösste Lust dem Grau hier zu entfliehen. Auch herzlich gerne für immer.

Wach. Viel zu früh. Wieso sollte es am Wochenende auch anders sein wie Werktags. Miss Annie wird mobiler und versucht fortan von Little Miss irgendwie was anzulututschen. Willkommen in der oralen Phase.

Obstteller zum Frühstück. In welcher Weise auch immer diese Erdbeeren manipuliert worden, es ist gelungen. Saulecker sind die.

Miss Annie kurz nach dem erwachen aus dem Vormittagsschlaf. Sie liebt ihre Ilse.

Es ist kalt. Der Plan in den Wildpark zu fahren wird über den Haufen geschmissen. Der Himmel ist grau und von Sonne keine Spur. Mein Kopf dröhnt und ich fühl mich seit Tagen  nicht wirklich fit. Wir beschliessen schwimmen zu gehen. Für mich gibts noch Medizin, für Miss Annie eine kleine Zwischenmahlzeit.

Es ist voll. Richtig voll. Und laut. Gut das die Aspirin zuverlässig wirkt. Es hatten noch mehr diese grandiose Idee. Ohropax wären auch mal noch hübsch gewesen.

Eineinhalb Stunden halten wir das Massenbaden aus. Immerhin ist es kuschlig warm. Miss Annie ist so fertig, dass sie im Wasser auf meinem Arm schläft. Und in der Umkleide ziemlich happy ist.

Mir geht das Herz auf. Auch wenn dieser Moment nicht lang anhält, die beiden haben sich lieb. Litte Miss ist eine fantastische grosse Schwester.

Vergangene Woche schrieb ich eine Email an einen Professor in Leipzig der sich mit dem GRIN Gen befasst. Ich war der Annahme das in Deutschland noch mehr Fälle bekannt sind und bat um Kontaktvermittlung durch ihn. Ich bekam seine Emailadresse von unserem Genetiker im Dezember, fand aber erst jetzt die Zeit mich an ihn zu wenden. Ich habe bereits Kontakte in Norwegen und USA mit Eltern deren Kind ebenfalls betroffen sind. Facebook sei dank. Miss Annie hat eine Mutation die nirgendwo in der Literatur verzeichnet ist, aber es gibt Dinge die ähnlich sind, wie zum Beispiel die hypokinetische Bewegungsstörung. Es wäre schön gewesen sich einfach auszutauschen, ohne das zig tausend Kilometer und einige Zeitzonen dazwischen liegen.

Gösser.

An alle Marketingstrategen. Ich bin vermutlich Euer einfachstes Opfer. Ich steh total auf hübsche Verpackungen. Gestern im Drogeriemarkt fand ich diese hübsch bedruckten Küchenrollen. Die warten jetzt in meiner Vorratskammer darauf endlich in die Küche wandern zu dürfen.

Ich beame mich jetzt in Gedanken nach Sanibel Island und erinnere ich an diesen fantastischen Tag. Wer mitgezählt hat, heute sind es nur elf Bilder. Ich hab gefuscht! Gutes kuschliges Nächtle.

Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? WMDEDGT 02/2017

Feeeebruar. Alaaaaaf. In drei Wochen ist Karneval.  Frau Brüllen will heute wieder wissen, was wir denn so den ganzen Tag machen. Helau Sonntag.

02:39

Miss Annie verlangt die Flasche, bekommt sie.

02:53

Alles schläft wieder. Zwei kleine Minis kuscheln sich an mich und ich finde doch noch eine Position in der ich halbwegs schlafen kann.

04:53

Schnullerarlarm bei Miss Annie. Ich find ihn nicht und Little Miss will aufstehen. Aber ich will nicht. Ich will nicht aufstehen. Ich will das alle weiterschlafen. Scheine es deutlich gesagt zu haben, denn niemand verlässt das Bett. Miss Annie ist zufrieden mit Schnuller in Mund und schläft friedlich weiter. Vielleicht war ich wirklich Furchteinflößend. Das kann ich wenn ich furchtbar müde bin. Nicht nett, aber wirksam ab und an.

08:08

Draussen ist es hell als ich die Augen öffne. Normalerweise wache ich instinktiv auf sobald jemand das Bett verlässt. Heute nicht. Der Göttergatte und Litte Miss sind gegen sieben bereits aufgestanden und haben das Kinderzimmer aufgeräumt in dem gestern unübersichtliches Chaos herrschte. So ein Schatz der Liebste.

08:20

Die Waschmaschine läuft die erste Runde. Die Sonne scheint hell in die Wohnung und ich bekomme wieder einen „Ich könnte Fensterputzen“-Anfall. Dabei bleibt es aber, ich schrubbe heute keine Fenster, das muss noch vier Wochen warten. Ich habe genug andere Dinge zu erledigen. Und Frühling soll es eh noch nicht werden, wobei ich hier drinnen schon Hyazinthen und Tulpen beherberge und mich sehr drüber freue.

08:35

Tisch decken und mit der Mama telefonieren. Kaffeeeeeeeeeeee. Ganz wichtig übrigens.

09:00

Wir frühstücken gemütlich mit frischen Brötchen die der Göttergatte mit Little Miss holten und freuen uns auf einen Tag mit keinen grossen Plänen. Bissle hier und da rumrutschen, zu tun gibt es genug.

09:49

Ich bereite das Abendessen schon vor, es gibt heute Hackbraten mit Möhrchengemüse und Nudeln für die Familie, ich weiss noch nicht was ich mir machen werde. Mein WeightWatchers Punktekonto kann ich mit Hackbraten nicht locken. Wäre das ein Girokonto dann wäre ich vermutlich unendlich im Minus. Ziel für Februar sind -5kg. Der Februar ist kurz stelle ich gerade fest. Also räum ich den Tisch ab, die Spülmaschine ein.

11:50

Ich lasse die Hausarbeit Hausarbeit sein und die letzte Woche innerlich Revue passieren. Mein Körper ist müde. Meine Gedanken auch. Nicht nur, weil ich definitiv zu wenig schlafe. Eine innerliche Müdigkeit hat sich eingeschlichen und macht mich kraftlos. Ich funktioniere noch gut, wie lange aber noch in diesem Pensum weiss ich nicht. Es wird Zeit, dass hier Alltage einkehren. Wenn es sowas wie normalen Alltag nochmal geben wird? Es war eine durchgeplante emotional anstrengende Woche.

Samstags freute ich mich riesig meine Mama am Nachmittag am Bahnhof abzuholen. Sie verweilte die Woche bei uns in München um Little Miss zu bespassen während ich mit Miss Annie die Woche über ins SPZ zur Intensivtherapie musste.

Sonntag war das Wetter traumhaft und der Wörthsee zugefroren. 25 Autominuten von zu Hause ein kleines Wintermärchen. Bevor wir allerdings in Richtung See fuhren machten wir in Olching im Café Nessbach & Schwalben stopover. Ich holte kleine Törtchen, die wir Abends uns zum Nachtisch gönnten.  Am See war viel los, was keine Überraschung war, dennoch fanden wir schnell einen Parkplatz. Spaziergang auf dem zugefrorenem See, acht Grad, Sonne, eine tolle Kulisse und ein Hauch Urlaubsfeeling ließen nichts von dem vorahnen was die kommende Woche für uns bereit hielt.

Am Montag um 13:00 ging es los. Zwei sehr nette Therapeutinnen für Miss Annie und ich ein einem liebevoll eingerichteten Raum mit Bällebad, Matten und viel Material. Es nennt sich Intensivtherapie weil wir täglich einen Einheit bekommen und dort das Gehirn des Kindes mit unterschiedlichen Methoden stimuliert wird wie es sonst im Alltag nicht stattfindet. Sie sehen das Kind mit anderen Augen und sehen auch wenn sich „etwas tut“, anders wie ich. Was dann folgte war allerdings in keinster Weise Spaß. Miss Annie war fertig, müde und innerlich so unruhig danach, dass sie nicht mehr in den Schlaf fand und dementsprechend der Lautstärkepegel ihrer Stimme sehr extrem an meine Nerven ging. Den ganzen Nachmittag. Die folgende Nacht war sie auch unruhig, aber das ist sie öfters, kein Grund eigentlich zur Panik.

Dienstag im SPZ das gleiche Prozedere wie Montag. Eine knappe Stunde Therapie. Auf dem Weg nach Hause schlief sie kurz im Auto ein, eineinhalb Minuten bevor wir ankamen. Selbstverständlich wurde sie beim rausholen aus dem Kindersitz wach. Und blieb es auch, bis Abends um halb sieben. Alle versuche sie hinzulegen scheiterten. Sie fand nicht zur ruhe, nicht mit mir noch ohne mich, nicht in der Trage oder im Bett. Ohne etwas zu essen. Sie aß nicht mehr, nichts. Flasche wollte sie auch nicht. Das ist die Kombination des absoluten Wahnsinns: Das Kind schläft nicht weil es Hunger hat aber es isst nichts. Sie schlief irgendwann am frühen Abend ein. Man könnte auch sagen sie erlag ihrer Erschöpfung, der kleine Körper war kraftlos und hungrig und ich hatte das Gefühl das sie für den Moment einfach aufgegeben hat und die Augen schließ. Bis um 23:23. Ich schlief gerade 10 Minuten lang da wachte sie auf, ungeduldig hungrig. Wie sehr ich es wieder einmal bereute so spät ins Bett gegangen zu sein. Ich stand also wieder auf und bereitete Miss Annie eine Flasche zu. Die Nacht war soweit ich mich erinnern kann eine der Anstrengendsten. Sie schlief nicht, war wie aufgezogen, weinte, war erschöpft aber fand nicht zur Ruhe. Nichts half. Um kurz vor fünf, kurz bevor ich das Bett verlassen musste schlief sie vor lauter Erschöpfung ein.

Mittwoch berichte im Therapiezentrum von der vergangenen Nacht, dem nicht mehr essen wollenkönnen und meiner Frage ob es nicht zu viel ist für sie. Auch ich war fertig mit den Nerven und stellte mir die Frage, ob wir das Richtige tun. Die beiden Therapeutinnen sprachen mit gut zu und versuchen mit zu erklären, das es kein Richtig und oder Falsch gibt. Wir wissen nicht was gut ist, deswegen probieren wir und gehen it ihr. Wir beschlossen, dass es besser ist für den Rest der Woche, also Donnerstag und Freitag zu pausieren. Ihr Ruhe zu geben die sie braucht. Als wir Mittags heimkamen schlief sie zwei Stunden im abgedunklenten und kühlen Schlafzimmer, Litte Miss und ich ebenfalls. Die schlaflosen Nächte lagen uns allen schwer auf dem Gemüt.

Donnerstag normalisierte sich ganz langsam alles wieder, sie fing wieder an zu essen und zu schlafen. Noch nicht optimal gut aber es war ein Anfang.

Freitag hatte ich einen Termin alleine bei der Psychologin, die wir, die Kinder und ich, seit Dezember ein Mal die Woche besuchen. Wir machten eine Entspannungsübung die mich sehr nachdenklich machte und ich komme zu dem Entschluss, das wir es schon mal die Woche das Thema war „Richtig und oder Falsch“ aus dem Kopf zu verbannen.

Wir genossen die Tage mit Oma, die dann leider gestern nach Hause fahren musste. Litte Miss und ich brachten sie zum Bahnhof. Vieleviele Tränen flossen bei der kleinen Zaubermaus, sie vermisst ihre Oma jetzt schon sagte sie immer wieder. Als der ICE abfuhr und Oma mit ihm meine Mama, weinte sie so schlimm das mich jemand fragte, ob er helfen könnte. Ich kann das kleine Kinderherz in diesem Moment nicht trösten. Nichts und niemand kann das. Es ist unendlich traurig und sie weint sich die Seele aus dem kleine Körper.  Da stehen wir am leeren Gleis und ich reiß mich zusammen nicht gleich mit loszuheulen. Ich trage sie und halte sie fest auf dem Arm. Auf dem Weg nach Hause sagte sie im Auto immer und immer wieder  schluchzend „Ohne Oma ist alles so leer zu Hause“. Das sind die Momente in denen ich diese Entfernung zur Familie kaum ertrage. Dann ist das Heimweh ganz gross. In meinem Kopf kreisen Gedanken, ob ich vielleicht doch dort, in der Eifel, die innerliche Ruhe finde nach der ich suche.

12:58 

Ich sitze immer noch mit Füsse hoch, dem zweiten Kaffee des Tages und Laptop auf dem Sofa. Höre Musik und lass ich von unbekannten Bands inspirieren. Seit einiger Zeit folge ich Leslie Powell  auch auf Instagram und mag ihre Stimme sehr.

13:33

Alle wach. Ich werde am Bügelbrett gebraucht. Miss Annie hat Hunger und ich dringend noch einen Kaffee. Wolken ziehen auf, das Wetter macht einem kein schlechtes Gewissen mehr, dass man heut eigentlich nicht mehr das Haus verlassen mag. Auch nicht zum laufen. Keine Lust. Bewusst dazu entscheiden heute einfach daheim zu bleiben. Die Welt draussen zu lassen.

13:45

Das Baby verkündet lauthals den Hunger. Ich bereite ein Hippies Gläschen zu und füttere sie. Motorisch ist jede Mahlzeit eine kleine Herausforderung für sie. Schneide ich Erdbeeren in minikleine Stückchen gibt es die lang ersehnten Kauversuche. Mein Mamaherz ist ganz entzückt wenn dieses kleine Ding die Zähne benutzt und es in Kaubewegungen endet. Himbeeren, Banane und Erdbeeren in Miniministücken gehen auch schon. Alles was runtergeschluckt wird ist ein Erfolg. Leider haben viele GRIN1 Kinder Essprobleme was mit einer PEG-Sonde endet. Wir werden alles versuchen um das zu verhindern. Der Göttergatte und Little Miss verspeisen noch den Rest vom AppleCrumble das ich am Freitag ausprobierte nach Eigenkreation.

14:23

Endlich ans heisse Eisen. Wäscheprogramm. Litte Miss darf Fernsehen.

15:35

Fertig. Bügeleisen aus. Alles verräumen. Kinderzimmer mach ich später, da stapelt sich noch alles. Aber mach ich es heute nicht könnte es die Woche wieder eng werden. Was weg ist ist weg. Den Göttergatten hatte ich herzlich eingeladen die Lichterkette an der Galerie zu verräumen, ebenso die vom Terassengeländer abzunehmen. Begeisterung hielt sich in Grenzen und eigentlich fand er das ja noch schön. Nette Ausrede für „Keine Lust“.  Mir zu liebe hängt er alles so ab, so dass wir im November wenn alles wieder drankommt keine Scheidungspapiere brauchen wegen Lichterkettenknoten. Der kann das, richtig gut und ordentlich, mein Liebster.

17:15

Galerie aufgeräumt und gesaugt, Küche obenauf gewischt, Spielküche aufgeräumt, Bett frisch Bezogen. Zeit das Abendessen herzurichten. Eigentlich wollten wir heute nix tun. Einfach nur das Sofa nutzen und rumlümmeln. Es ist allerdings für mich einfacher am Wochenende manche Dinge zu erledigen wenn ich nich alleine bin.

18:10

So, alles noch schnell gesaugt und essen.

18:50

Kinder in die Badewanne. Grundreinigung. Ich räume noch schnell die Küche auf und helfe dem Liebsten die Kleinen zu säubern. Miss Annie ist müde und geht danach gleich ins Bett, Little Miss braucht noch Föhnprogramm. Ich säubere schnell die Badewanne während die Beisserchen geschrubbt werden.

19:35

Gutenachtgeschichte für Little Miss und dann Schlafenszeit. Miss Annie schläft schon. Der Göttergatte legt auch Little Miss hin. Ruhe. Nur das rauschen der Spülmaschine stört die Ruhe. Ich bin immer noch nicht geduscht. Erst verräum ich noch die Wäsche im Kinderzimmer, dann ausgiebig duschen.

21:24

Die kommende Woche wollte ich noch durchplanen, Einkaufs- und ToDo-Liste fertig schreiben. Verschiebe ich auf morgen. Meine Fingernägel benötigen noch ein wenig pflege. Ich wäre ohne diese Struktur hilflos verloren. Ich brauche Ordnung in meinen vier Wänden um das innerliche Chaos bewältigen zu können. Der Tag ist rum. Bin schon sehr gespannt wie es morgen laufen wird im SPZ. Vier Tage Intensivtherapie stehen diese Woche auf dem Plan. Gute Nacht und süsse Träume.