Frühförderung.

Vor ein paar Wochen vereinbarte ich mit Absprache im SPZ einen Termin bei einer Frühförderstelle. Unabhängig von der Diagnose hieß es dort, sollten wir alles in die Wege leiten um Miss Annie so viel Unterstützung wie möglich zu geben.

Meines Erachtens leben wir in einem sehr sehr guten System. Bislang gab es keinerlei Probleme mit irgendwelchen Kostenübernahmen und Anträgen. Selbstverständlich muss man sich kümmern, es kommt niemand der an Deiner Tür klingelt und Dich bei der Hand nimmt mit duziduzi. Aber die Möglichkeiten die man hat, sind meines Erachtens fantastisch. Ich hatte die Möglichkeit mir die Förderstelle für Miss Annie selber auszusuchen und gestern das Erstgespräch. Was für nette Menschen dort arbeiten. Der erste Eindruck war klasse. Die Einrichtungsleitung war mir sehr sympathisch und ich habe seit langem mal wieder richtig herzhaft und unbeschwert lachen können. Sie verstand meine Sorgen eins zu eins und konnte auch die Probleme mit denen ich mich gerade auseinandersetzten muss verstehen. Ganz und gar nachvollziehen. Das passiert gerade selten, dass ich das Gefühl habe, dass jemand einfach uns, die ganze Situation verstehen kann, ohne das ich etwas erklären muss. Es ist auch schwierig für das Umfeld mit sowas konfrontiert zu werden. War es für uns auch. Ja, WAR! Mittlerweile versuchen wir so viel Alltag wie möglich zu schaffen. Es gelingt uns noch nicht so ganz, zu viel muss noch beantragt und organisiert werden, aber nach uns nach fängt es an wieder normaler zu werden. Wir für uns. Der Wahnsinn der ausserhalb unserer vier Wänden tobt ist ein anderer. Mein Kopf ist voll, ich merke wie ich permanent innerlich arbeite. Aber auch hier muss ich für mich dran arbeiten und freue mich sehr jetzt über Weihnachten für ein paar Tage in die einsame Eifel zu fahren um dort ein wenig neue Energie zu tanken. Nur Zeit für die Familie zu haben, ohne Termine, ohne „Ich muss noch diesjeneswasauchimmer machen“. Miss Annie zahnt gerade und hält uns ziemlich auf Trab, das ist so schön normal! Und soooo anstrengend. Normaler Wahnsinn! Fühlt sich gut an. Seit kurzem kann sie knien und zeigt nach wie vor einen uneingeschränkten starken Willen Dinge zu wollen.

Unser Kind ist behindert. Nicht krank. Organisch ist alles in Ordnung. EEG und MRT waren ohne Befund. Und Menschen die nun fortan die Strassenseite wechseln wenn sie uns sehen dürfen das sehr gerne machen. Es stört mich nicht. Ich kann es nicht nachvollziehen, muss ich aber auch nicht. Was ich nicht kann, ist mein Umfeld in irgendeiner Art und Weise aufzubauen, weil jemand damit nicht klar kommt, das unser Kind aus dem Raster gefallen ist. Mir ist bewusst, dass viele es von Herzen gut meinen und uns nicht böses wollen. Aber sollte es nicht anders herum sein? Das man selber aufgebaut wird? Uns geht es mittlerweile gut. Ja, wir haben unsere Momente wo es nicht rosig ist, wir emotional sind und angst haben vor der Zukunft, aber es ist nunmal jetzt so wie es ist. Bevor wir selber mit dem Thema konfrontiert wurden, haben wir uns auch nie grossartig mit so einem Thema auseinandergesetzt. Es war kein Bestandteil in unserem Leben. Als ich  vor gut einem Jahr einen zuckersüssen kleinen Sonnenschein kennenlernte, der seit Geburt an behindert ist, war es von Anfang an für mich das normalste der Welt ihn zu „behandeln“ wie alle anderen auch. Selbstverständlich gibt es Momente wo vielleicht das ein oder andere eben (noch) nicht geht, aber deswegen habe ich mir nie Gedanken gemacht wenn wir zusammen sind wie „Oh mein Gott, das arme Kind, wie rede ich mit ihm, was tu ich nur, blablabla etc pp“ Warum weiss ich nicht. Vielleicht, weil er einfach so fantastische Eltern hat. Die ihn fördern und ihm alles geben was er zum wachsen braucht. Ein liebevolles Zuhause, eine Familie. Das sind Eltern, die ihr Kind lieben. Bedingungslos. Normale Eltern eben. Und das ist alles was zählt. Egal mit welchen Defekten oder Syndromen man bedacht wurde.

 

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