Warten.

Nach wie vor gibt es keine neuen genanalytischen Ergebnisse. Warten. Mit der Hoffnung, das Genlabor teilt uns im Laufe der nächsten Woche mit, dass alles ein großer Irrtum war und alles Gut ist. Es ist ein Wunschgedanke. Eine kleine unschuldige Seifenblase die tief im Inneren meines Kopfes weiß, dass sie platzen wird. Schau ich mir Miss Annie an sehe ich, dass mit ihrem kleinen Körper etwas nicht stimmt. Vielleicht mag es keine der Verdachtsdiagnosen sein. Was ist es dann? Dann würden wir wieder warten müssen. Um das in keine gedankliche Endlosschleife zu packen, versuchen wir den Alltag zu meistern. Mal besser, mal gar nicht so gut.

Die letzten Wochen bekam ich immer und immer wieder zu spüren wie sehr unser Gesundheitssystem überlastet ist. Alle Ärzte und Menschen mit denen ich zu tun habe in dieser Phase sind wirklich nach wie vor durchweg absolut bemüht und sehr nett, man fühlt sich verstanden und vor allem werden wir ernst genommen. Nur dauert vieles so unendlich lange. Am meisten wohl das Warten. Egal auf was. Es scheinen überall Kapazitäten zu fehlen. Kurzerhand habe ich beschlossen einige Dinge selber in die Hand zu nehmen. Ich konnte so die Informationswege zu uns direkt kürzen. Es funktioniert. Sehr Zeitintensiv war es, aber Ergebnisreich. Es lenkt nicht ab mit so viel Gewusel um die Ohren, gibt einem aber das Gefühl die Zeit verkürzt sich schneller.

Wird eine gentechnische Untersuchung veranlasst, werden einige formelle Dinge abgefragt die vom Gesetzgeber zum Schutz der Person vorgeschrieben sind. Wie z.B. ob man wünscht, dass der Befund an die behandelnde Stelle geschickt werden soll oder nach Hause. In dem Moment als wir Dr. L. all diese bürokratischen Fragen beantworteten musste waren wir beide, Göttergatte und ich so aus der Umlaufbahn katapultiert, dass wir es für richtig empfanden, dass alles in die Klinik geschickt werden sollte. Nachdem wir uns bewusst mit allem auseinandersetzten und zumindestens denken, dass wir wissen was auf uns zukommen könnte bekommen wir die Ergebnisse direkt, ohne Umwege. Gibt es Ergebnisse werde ich angerufen, direkt. Klingelt es, wird vermutlich so viel Adrenalin meine Adern durchfliessen, wie nach neun Venti Latte mit extra Shots. Sicher drölfzig Stunden ohne Schlaf danach. Mit welchem Ergebnis auch immer.

Auf Grund der bevorstehenden Auszeit im Ausland habe ich mich mit einigen „Was wäre wenn…“ -Gedanken beschäftigt. Alle Ärzte gaben das o.k. zu verreisen. Es ändert nichts an der ganzen Sache. Miss Annie ist organisch gesund, EEG unauffällig. Es besteht keine Gefahr für das Kind. Die Reise abzusagen hätte niemandem etwas gebracht. Dennoch wägte ich alle Eventualitäten ab, dazu gehört leider auch, dass es ein könnte, theoretisch, auf Grund der Verdachtsdiagnose, dass Miss Annie plötzlich einen epileptischen Anfall erleiden kann. Ich sprach dies bei der U6 Untersuchung vor knapp zwei Wochen beim Kinderarzt an. Er ist auch der Meinung, das haben und nicht brauchen durchaus besser sei wie brauchen und nicht haben. In Absprache mit dem Kinderneurologen Dr. M. sind wir also auch hier Medikamentös vorbereitet.

Meine liebste Herzensfreundin fragte mich heute ob ich angst habe. Angst ist es nicht. Angst kann man irgendwie überwinden. Das Gefühl das in einen hineinkriecht in dieser Wartezeit ist kalt und gemein. Merkwürdige Grausamkeit. Die Angst die mich jedoch umringt gilt little Miss. Alles was ich nicht will ist, ihr in dieser Zeit die Kindheit zu nehmen, die Unbeschwertheit. Auch nicht mit dem was auch immer kommen wird. Sie ist fünf und hat ein recht auf Kindsein, mit allem drum und dran. Dieser Akt denke ich wird wohl mit einer der schwersten werden. Balance zu halten. Sie liebt ihre kleine Schwester so sehr und wir wachsen als keine Familie gerade noch enger zusammen. Es lässt mich weiter Hoffen, dass wir all das große Ganze schaffen.

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